Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 509 (sequence 2)
- Language
- German
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und das Judenthum. 509 kannte Büchlein von Strauß — daß endlich, wie damals ein Nero und ein Tacitus in der Bekämpfung der die Staatsreligion und die alten Götter bedrohenden Mächte zusammen gingen, so auch heute manch ehrlicher Demokrat (von den unehrlichen, jedes Mittel benutzenden zu schweigen) den Orthodoxen sich affiliirt hat, oder für sie arbeitet. Wir haben hier nur den Einfluß der orthodox-kirchlichen Bewegung auf das Judenthum im Auge. Ein Sieg der, zwar nicht vereinigten, aber zusammenwirkenden, katholischen und protestantischen Hierarchie wäre für die Judenheit höchst verhängnißvoll; das brauchen wir Niemandenr zu sagen. Haben wir aber vorläufig in den Vorkämpfern jener Orthodoxie Bundesgenossen zu sehen? Schwerlich! Es gilt dies ״Schwerlich" selbst in Beziehung auf die Polemik gegen Materialismus u. s. w., die ja sonst eine gemeinsame Aufgabe sein sollte. Die Voraussetzungen, von denen die christliche Orthodoxie ausgeht, sind nicht die unsrigen, ihre Waffen können wir großentheils nicht gebrauchen. Dasselbe gilt in Hinsicht auf Apologetik. Einzelnes taugt nur; die Delitzsch, Hävernick, Hengstenberg haben in Betreff der biblischen Kritik manches brauchbare Material geliefert; aber weiten Wegs können wir mit ihnen nicht Hand in Hand gehen. Weiter läßt sich durchaus nicht in Abrede stellen, daß die Rückkehr zum Positiven, zur besonnenen historischen und religionsphilosophischen Forschung, zur ernsten Wissenschaftlichkeit gegenüber flach-rationalistischer Gedankenarmuth, Oberflächlichkeit und Frivolität, vortheilhaft auf den Gang der jüdischen Theologie, daß die geförderte Kirchlichkeit, die mitunter unzweifelhaft ächte Frömmigkeit in christlichen Kreisen, die Entstehung und Entwickelung religiöser Vereine u. dgl. m. bemerkbar auf jüdische eingewirkt hat, daß überhaupt das Beispiel solcher Christen, die, bei unanfechtbarer wissenschaftlicher und socialer Bildung und Charaktertüchtigkeit, doch zugleich kirchlich fromm sind, ebenso von Einfluß auf Juden ist, wie anderseitig der kirchliche Fndifferentismus ansteckend wirkt. Dies Alles ist bekannt, und bereits in der ״allgemeinen Charakteristik" von uns angedeutet. Wir haben aber auch bereits gesagt, daß Judenthum und orthodoxes Christenthum himmelweit von einander geschieden sind und bleiben. Dies, der Unterschied zwischen christlicher Orthodoxie und dem, was man im Judenthum