Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das Buch Kohélet, seine Entstehungszeit und sein Charakter
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 9)
- Language
- German
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feine Eittstehtmgszeit uitb sein Charakter. 489 gehören nämlich durchaus nicht zu Kohelet, sondern sütd als Schlußworte der Kanonsammler anzusehen, wie N. Kro chmal mit unwiderleglicher Beweisführung auseinandergesetzt hat (Nore Neboche ha-Zeman c. XI Nr. 8). Zu der Unglücklichen Annahme, daß Kohelet ein moralisirendes Lehrbuch sei, hat der Titel geführt; aber das Wort קהלת ist und bleibt unverständlich. Denn daraus, daß der Stamm ״ קהלversammeln" bedeutet, zu entnehmen, קהלת noch dazu in der weiblichen Form, bezeichne ״den Volksversammler und daher den Redner vor der Versammlung des Volkes oder der Weisen", oder wie Gurlitt meint, das Volkslehrthum (Studien und Kritiken a. a. O. S. 327 fg.) ist durchaus ungerechtfertigt, weil ohne Beispiel. Weil nun die griechische Uebersetzung den Nanien קהלת durch Ecelesiastes wiedergegeben hat, und dieses ״Prediger" bedeutet, so hat man sich daran gewöhnt, den Vers, als einen moralisirenden Prediger anzusehen, der das Thema ״Alles ist eitel" zu seinem Ausgangspunkte genomnren habe, und die Compofition gilt als Predigt oder Lehrschrift eines Weltfeindes. Daher wurde die Schrift gerade in den Klöstern von Mönch eit und Nonnen gelesen, um sich in Verachtung der Welt zu erhalten, ״ut oinne guoä in munäo oernerent, putarent «886 pro nihilo“. Allein kann ein Schriftsteller, wenn er auch nur diesen einen Satz geschrieben hätte: ״Süß ist das Licht, und angenehm für die Augen, die Sonne zu sehen" (11, 7), kann ein Solcher eine finstere, mönchische Weltverachtung gepredigt haben? 3) Von Seiten der Sprache ist Kohölet besonders Miß- Verständnissen ausgesetzt gewesen. Man ist allerdings auf die eigenartige Sprachfärbung desselben schon früh aufmerksam gewesen, hat sie aber unrichtig ״aramäisirend" genannt. Denn nicht ans die mit dem aramäischen Jdionr gleichklingenden Wörter und Formen kommt es dabei an, sondern auf die reinhebräischeu, die in Kohvlet eine andere Bedeutung haben. Man kann doch nicht etwa die häufig vorkommende Consonanten-