Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Das Buch Kohélet, seine Entstehungszeit und sein Charakter
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 488 (sequence 8)
- Language
- German
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488 Das Buch Kohslet, jüdische Volk damals unter Königen stand, die zu mancher Klage Veranlassung gaben, und denen es nur ungern gehorchte und zwar nicht unter erblichen Königen aus seinem eigenen Volke, sondern unter fremden. Etwas Genaueres läßt sich nicht leicht ermitteln. Vielleicht fallt es in die letzte Zeit der persischen Herrschaft, wie Ewald und Andere annehmen; vielleicht aber auch noch später in die Zeit der sprischeu Herrschaft über Judäa". Aber eben dieses ״Vielleicht" erschwert das Verständniß des Buches oder macht es ganz uumöglich. So lange nicht ganz bestimmt individualisirte Züge der Zeit, ans welche mehrere Verse anspielen, ermittelt sind, wird die Auslegung ihren verschwonunenen Charakter behalten. 2) Eine andere Schwierigkeit, die zu überwinden ist, bietet der Charakter der Composition. Im Allgemeinen wird Kohslet als ein Lehrbuch betrachtet oder ״Selbstgespräche eines Weisen über die Eitelkeit dieser Welt". Mein diese Charakterisirung befriedigt nicht, oder vielmehr erhöht nur die Dunkelheit. Ein Lehrgedicht muß doch vor Allem eine ganz bestimmte ethische Lehre in den Vordergrund stellen, immer wieder darauf zurückkommen, sie von allen Seiten beleuchten und ihre Trefflichkeit beweisen. Das thut Kohslet keineswegs. Denn Pessimismus ist doch keine Lehre. Der öfter wiederholte Satz: ״Es giebt nichts Besseres für den Menschen als zu essen und zu trinken und sich an dem Guten zu erquicken während der Zahl der Tage Deiner Vergänglichkeit" kann nicht als Mittelpunkt des ganzen Gedankenganges angesehen werden, sondern ist nur eine andere Art pessimistischer Betrachtung. Bleek's Einschränkung, daß die Empfehlung, ״die Güter und Freuden des Lebens zu genießen, beim Verfasser durchaus kein atheistischer (?) Epikuräismus" sei, ist man nicht im Stande, mit entsprechenden Versen zu belegen. Man müßte denn den, Epilog als Beweis dafür heranziehen, was aber sehr mißlich ist. Die letzten sechs Verse