Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der Prozeß Eisenmenger
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829385-2864704--12348-2864756- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
468 Der Prozeß Eisenmenger. und sie nicht zn verhindern, dieselben zu verkaufen. Der Herr Reichsvicar hielt die Muthmaßungen der Juden über den Erfolg des Buches um so weniger von Erheblichkeit, weil — man höre — ״im Fall die Juden von Ein oder andern Christen dieserthalb zum Ohngebühr nrit Wort oder That verfeindet werden, alsdann die rechtliche Ahndung gegen die Verbrecher ohnedem allezeit vorgekehrt werden kann und soll." Der Herr Reichsvicar scheint gar nichts davon gewußt zu haben, daß die Juden durch Wort und That verfeindet wurden, daß man sie beraubt und erschlagen hat, ohne daß sich jemand ihrer mit Erfolg angenommen hätte. Zeigt doch eben dieser Prozeß, wie prompt die Rechtspflege im heiligen römischen Reiche war. Hierauf wurden die Juden in Frankfurt aufgefordert, am 11. Dec. 1711, vor dem Vicariate zu erscheinen und sich mit den Eisenmerger'schen Erben zu vergleichen. Sie erschienen jedoch nicht (der älteste Baumeister, Vorsteher, hieß Nathan, der jüngere Moses). Nachdem die Inden nicht erschienen waren, beschloß die Commission (Freiherr v. Dalvigk, Freiherr v. Muer, Director v. Hettman und Dr, Brewer) am 17. Dec. 1711 das Buch freizugeben. Bevor jedoch der Beschluß ausgeführt wurde, hörte das Reichsvicariat auf zu sein, da ein neuer Kaiser, Carl VI, gewählt war. Der Beschluß wurde daher sistirt. In denselben Jahre, 1711, wurde das Buch in Berlin nachgedruckt. Wieder petitionirten die Erben Eisenmenger's, nachdem das Buch nachgedrnckt wurde, die Exemplare der ersten Auflage freizugeben. Der Rath zn Frankfurt befürwortete diese Bitte, 7. Oct. 1713. Hierauf ruhete die Sache einige Jahre. Am 22. Nov. 1725 plaidirte der Churfürst zu Pfalz für die Freigebung des Buches, ebenso im Jahre 1728 der königl. preußische und churbranden-' burgische Anwalt und Joh. Bapt. llllman, Churpfalz-Ehegerichts- Expeditor. Ersterer wies darauf hin, daß auch Schmid im Jahre 1684 ein Buch gegen die Juden veröffentlichte, welches Kaiser Leopold privilegirte. Ebenso ließ der Superintendent zu Zell, Hoffmann, ״das schwer zu bekehrende Judenherz" drucken, auch Schudt veröffentlichte ein Buch gegen die Juden. Letzterer, Mlman, denuncirt die Inden, daß sie in ihren Büchern christliche Fürsten Miko Awla — ungerechte Könige — nennen.