Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Drei Verse in Ezechiel Kap. 20
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 462 (sequence 4)
- Language
- German
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462 Drei Verse in Ezechiel Kap. 26. liche Männer (וקנו ישראל) kommen zu Ezechiel, um von ihm Gottes Wort zu vernehmen. Der Prophet weist sie ab, weil sie den Gräuelthaten ihrer Väter noch nachhängen. Er erinnert sie an die hartnäckige Neigung zum Bösen und Verbotenen, die ein wesentlicher Charakterzug des ersten und zweiten Geschlechtes nach dem -Auszüge ans Egypten war. Obschon ungehorsam und dem egyptischen Heidenthume mit Leib und Seele ergeben, wurden sie vom Ewigen aus Egypten befreit und in die Wüste geführt. Hier habe er ihnen Gesetze und Rechte offenbart, durch deren Ausiibung der Mensch leben könne. Doch die Undankbaren haben sich daran nicht gestört, vielmehr haben sie von diesen Gesetzen nichts wissen wollen. Der Ewige, darüber erzürnt, hätte dann beinahe ihre Vernichtung beschloffen, wenn dadurch sein heiliger Name nicht entweiht worden wäre. So handelte das erste Geschlecht; nicht besser machte es das zweite. Die göttliche Ermahnung, den Weg ihrer Eltern nicht zu bewandeln, beachteten sie nicht. Auch sie vernachlässigten die Gesetze, durch deren Aus- Übung der Mensch leben könne. Aber auch sie entgingen der verdienten Vernichtung nur aus Rücksicht, daß in diesem Falle der göttliche Name bei den Völkem, die Zeugen ihrer Befreiung ans dem Sclavenjoche waren, entweiht werden könnte. Doch sollte ihr Ungehorsam nicht ganz ungestraft bleiben; schon damals sei ihre Verbannung und Zerstreuung unter die Völker beschloffen worden. Und dieser innere Kampf, dieser endlich gefaßte Entschluß der Verbannung hatten keinen andern Grund, als daß die Israeliten die göttlichen Gesetze nicht in Acht nahmen. Dies der gedrängte Inhalt der unserer Stelle vorhergehenden Verse. Wie kann nun derselbe Gott, der Gesetze giebt, deren Zweck ist, den Menschen im Leben zu erhalten, derselbe Gott, der die Vernachlässigung dieser Gesetze mit Verbannung, Zerstreuung, ja Vernichtung strafen will, wie kann dieser Gott barbarische und unmenschliche Gesetze geben? Wie kann dieser Gott die Opferung der Erstgeborenen verlangen? Oder soll unsere Stelle eine abermalige Sinnesänderung mittheilen wollen? Soll nun wieder, anstatt des Entschlusses der Verbannung der der Vernichtung getreten sein? Die Worte למען אשמם würden zwar dagegen nicht sprechen; aber unbegreiflich ist es doch, wieso die Opferung der Erstgeborenen als das geeignetste Mittel erscheinen könnte.