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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 10 · p. Seite 458

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 10
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
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458 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart zu können, wo in den dogmatischen und moral-theologischen Differenzpunkten zugleich die Knotenpunkte ^jener Mißbildungen nnd Auswüchse liegen. Dennoch hat schon jetzt zur Befestigung des Judenthums in unserer Mitte nichts mehr beigetragen, als der Nachweis, daß alle freiheitlichen Ideen, alle ächten deinokratischen Principien in ihm wurzeln und in ihrer Reinheit und Kraftfülle von den Propheten ausgesprochen sind. WettN die Gebildeten, trotz aller faktischen uud praktischen Lauheit, so viel Anhänglichkeit an das Judenthum besitzen, daß jeder Gedanke an Abfall ihnen fern liegt, so ist dies der Grund. Es fühlt der Jude, heut wie in den Verfolgungen des Mittelalters, daß in seiner Religion ihm חרות עולם, ewige Freiheit, verbürgt ist. Daher finden wir unter den Gegnern des sog. orthodoxen Judenthums, d. h. des jüdischen Neligious gesetz es, wenige Gegner der jüdischen Religionslehre, und nur unter denjenigen Theologen, welchen eine neue Idee, eine neue wissenschaftliche Entdeckung oder Hypothese aufzustellen und in die Welt zu schicken mehr am Herzen liegt, als au aller Religion, haben wir wirkliche Feinde des Offenbarungsglaubens. Ist ferner, nach bekanntem Ausspruch, ״die Heuchelei eine Huldigung, welche das Laster der Tugend darbringt," so können wir, harmloser und ganz ohne zu verletzen, sagen: die ehrliche jüdische Frömmigkeit empfängt täglich Huldigungen von denjenigen, die sich von ihr losgesagt haben, und damit doch keineswegs heucheln. Hören wir Einen, der bett sabbathalteuden, sein Geschäft streng nnd ehrlich schließenden Glaubensgenossen verspottet, so hören wir dagegen Hundert, welche offen und gewiß aufrichtig sprechen: es ist sehr schön und wir möchten auch recht gern so den Sabbat halten, aber u. s. w.H Es wäre hierüber noch manches zu ’) Noch ein Beispiel zur Jllustrirnng des gewaltigen Unterschiedes in der Sachlage. In unserer Nachbarschaft ist ein evang. Predigerseminar. Unlängst berichteten die ״liberalen" Blätter, das! dort täglich einfache Morgen- und Abendandachten seitens der Alumnen gehalten wurden, und diese Notiz war mit allerlei Randglossen begleitet. Wenn aber berichtet würde, daß in einen: Seminar für Rabbiner oder jüdische Lehrer täglich מנין gemacht werde, uud daß die Alumnen sogar dabei חפלין legen, so möchten wir in der That den Juden sehen, der sich darüber scandalisirte, oder cs

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