Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 457 (sequence 7)
- Language
- German
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und das Fndenthnm. 457 das Judenthum nicht berühren können, das Judenthum, welches seit 1800 Jahren vom Staate losgelöst, denselben weder zu beeinflussen gedacht hat, noch von ihm gefördert worden ist, wohl aber umgekehrt der staatlichen Freiheit jeden wnnschenswerthen ideellen Vorschub leistet. Dennoch wird das Jndenthnm sehr in Mitleidenschast gezogen. Wir brauchen darüber kaum Andeutungen zu geben. Nie, seit den Tagen Apion's, ist das Judenthum heftiger und bitterer angegriffen worden, als gegenwärtig, und manche Anerkennung, die es dagegen findet, kann keine Entschädigung bieten. Das Mittelalter verfolgte die Juden, ehrte aber ihre heilige Schrift, die Neuzeit inacht es schier umgekehrt. Die Liberalsten und Radikalsten sind bekanntlich weift die erbittertsten Gegner des Indenthums; ob sie nun, wie Voltaire und Bayle, Paulus und Nöse, Br. Bauer und Renan, die Persönlichkeit des Juden zugleich mit verlästern, oder nicht, macht in dieser Beziehung keinen erheblichen Unterschied. Die Gründe an sich sind klar genug. Man haßt im Judenthum die Mutter und Wurzel des Christenthums, oder mau will von letzterem das Odium ab und auf ersteres wälzen, oder man will diesem wenigstens das Compliment machen, daß jenes noch schlechter sei. Die Hauptsache aber ist die, daß man sich einredet, Hierarchie, Cäsareopapismus, Absolutismus u. dgl. fänden im Judenthmn, im Alten Testament, Stab und Stütze. Obgleich dies leicht zu widerlegen und oft genug widerlegt ist, so haben wir es doch sehr zu beklagen. Die Abwehr allein genügt nicht mehr, es muß jede Solidarität zwischen uns und demjenigen Christenthum, welches allerdings, von dem paulinischen ״Jedermann sei Unterthan 2c.“ an bis zu dem Syllabus und dem Gesatvader der Dorfpäpste hinunter, dem Servilismus *) gedient hat, zurückgewiesen werden. Roch ist hierin in Deutschland viel zu leisten; Vorsicht mahnt und stumpft die Feder ab; englische und amerikanische Blätter schreiben ganz anders, besitzen aber gewöhnlich nicht Sachkenntuiß genug, um Nachweisen ’) Das; die Ultramontanen, wo es ihnen paßte, ans die Seite der politischen Opposition und Revolution getreten sind, ändert nicht viel! klar ist jedoch, daß solches Verfahren dem KatholicismuS innner große Sympathien erweckt hat.