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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 10 · p. Seite 456

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 10
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 456 (sequence 6)
Language
German
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458 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart lichen, besonders der persönlichen Freiheit wie ein rooller 60 bronze stabilisirt worden, seit die Hochkirche sich nicht inehr beikomnren lassen kann, den Regierungsmaxiinen eines Jacob I. zum Siege zu verhelfen, wird der Kampf gegen dieselbe ohne alles unnöthige Echauffement geführt. Obgleich Deisten und Freidenker in England zuerst auftraten, ist das englische Volk religiös und kirchlich gesinnt geblieben, und hat nur gegen Popery einen gewissen instinctiven Haß. Materielle Entwickelung schreitet mächtig vorwärts, aber der Materialismus hat in England gewiß verhältnißmäßig wenige Anhänger. So sehen wir in Amerika alle möglichen Sekten sich frei bewegen, es giebt dort auch Indifferente, die gar keiner kirchlichen Gemeinschaft angehören, aber von einer Partei, die einen Radikalkampf gegen die Religion führt, haben wir nichts vernonuuen. Also die antireligiöse und antikirchliche Richtung wurzelt in dem Streben nach Freiheit und ist, den innersten Motiven nach, mehr politischer als religiöser Natur. Man bekämpft mit allen Mitteln hier das protestantische Kirchenregiment, dort den Ultramontanismus, weil sie Staat, Religionsgemeinde und Schule b eherrschen. Wäre letzteres nicht der Fall, so würde gegen dieselben ebensowenig mit Lärm und Erbitterung gekämpft werden, wie etwa gegen den Jrvingianismns, und von diesem, würde wieder kein Mensch Notiz genommen haben, wenn er nicht eine Zeitlang ״von oben" begünstigt worden wäre. Ohne die politischen Motive hätten die Lehren des Materialismus, Atheisnms u. dgl. nie bei einem großen Theile der Gebildeten Eingang gefmlden; die antireligiöse Literatur verdankt ihre Popularität größtentheils dem Umstande, daß man sie verboten, oder ihre Verfasser gemaßregelt und verfolgt hat.*) So sollte es denn wohl sonnenklar sein, daß alle diese Dinge ') Wir erlauben uns einen Sab hier anznsühren, den wir jüngst in einem liberalen politischen Blatte gefunden haben. ״Nein, die heutige Zeit ist nicht der Religion entfremdet. Nur dem kirchlichen Leben haben wir entfremdet werden müssen, weil das Kirchenregiment ein solches bewußtermaßen ertödtet hat. Das passive Anwohnen des Gottesdienstes, worauf die Gemeinde heute beschränkt ist sein solches möchten aber einige Narren bei uns importircnüj kann ein. kirchliches Leben nicht ersetzen."

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