Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Anschauungen über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 14)
- Language
- German
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412 Zur Geschichte der Anschauungen keit besaß; Philo gefällt sich in mystischen Ausdrücken, weil ihr hochklingender Laut seinen! Leserkreise imponirte und der eigenen Selbstgefälligkeit schmeichelte. Das sind Urtheile, die vielfach den unbefangenen Leser abstoßen, zumal da auch über Philo's geistige Begabung nach willkührlich gewählten Kriterien abgeurtheilt wird 39. Das Wesen der philonischen Allegorien ist ihm nicht zum Beivußtsein gekommen. Mit plumper Hand prüft er das feine Gewebe nach seiner logischen und philosophischen Haltbarkeit, austatt den Fäden rrachzuspüren, aus denen Geschichte, Glaube und Illusion es gewoben haben, und wenn es unter der Last seiner gewichtigen Einwendungen zerreißt, dann triumphirt er über die Thorheit, über den Wahnwitz der jüdischen Theosophen mit den unwürdigen Worten: Though this be madness, yet there’s me- Ihod in it40. Da mag man denn freilich sich daran erinnern, daß dies die Worte des Pedanten Polonius sind, der mit ihnen zeigt, wie wenig er Hamlet's wahre Gedanken unter der wunderlichen Hülle herauszufinden vermag. Schwerer noch wiegt ein anderer Fehler der Gfrörer'schen Darstellung, ein Fehler, den in seiner ganzen Blöße schon der Titel des Werkes erkennen läßt. Dieser lautet: 'Kritische Geschichte des Urchristenthums. Erster Band. Philo und die jüdischalexandrinische Theosophie oder vom Einflüsse der jüdisch-aegyptischen Schule auf die Lehre des neuen Testaments'41. Dieser Titel zeigt, daß es dem Verfasser gar nicht um die jüdische ׳Religions- Philosophie als solche zu thun ist; nein, die ganze, große Bewegnng hat für ihn bloß ein Interesse, insofern sie dazu dient, ein später Gewordenes zu erklären, die Abhängigkeit des Christenthnms von der 'jüdischen Theosophie' zu erweisen. Das gesteht er selber noch bestimmter ein in der Vorrede, die er der ersten Auflage seines Buches vorgesetzt hat4^. Nun stand aber Gfrörer, als er sein Werk schrieb, dein Christenthum noch ziemlich feindlich gegenüber. Es ist ihm eine Institution gegründet durch 'die Hoffnung auf das dunkle Reich der Zukunft',