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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 9 · p. Seite 411

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 9
Article
Zur Geschichte der Anschauungen über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie
Date
1869-01-01
Page
Seite 411 (sequence 13)
Language
German
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über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie. 411 verglich einzelne griechische, jüdische, christliche Lehren: eine eingehende, systematische Darstellung des geschichtlichen Verlaufes einer geschichtlich so bedeutsamen Bewegung war von Niemandenr versucht worden; denn Stahl's Versuch, einen Lehrbegriff Philo's zu schreiben *r, genügt selbst den bescheidensten Ansprüchen nicht — weder denen des Theologen, noch denen des Philosophen. Da, im Anfänge der dreißiger Jahre, unternahm es A. F. Gfrörer, eine Darstellung der jüdischen Theosophie, wie er sie nannte, zu geben, und er hat sie gegeben mit Gelehrsamkeit und Scharfsinn, aber zugleich mit Vorurtheilen gar schlimmer Art und mit nicht ganz genügender Vorbereitung zu dem äußerst schwierigen Untemehmen. Ich habe kein Recht, an dieser Stätte aus alle inneren Mängel des Gfrörer'schen Werkes hinzuweisen, auf seine flüchtige Auffassung — mit der ein prickelnd lebhafter Stil nicht versöhnen kann —, auf seinen Mangel an kritischem Sinn, der die gröbsten Abschreibersünden für gute alte Wahrheit nimmt, auf den Leichtsinn, der bei der Darstellung des philonischen Systems die äußerst wichtigen, von Aucher entdeckten Schriften gänzlich übersieht hier konnnt es mir nur darauf an, den Standpunkt anzugeben, von dem aus er nrtheilt, der ihn das Ganze dieser Bewegungen in durchaus falschem Lichte zeigt. Sein Standpunkt ist der eines kleinlichen Pragrnatismus, dem der Sinn für die geschichtliche Nothwendigkeit der Ereignisse fehlt, der mit der hölzernen Elle eines anspruchsvollen Rattonalismus die Erscheinungen der alten Zeit zu messen wagt, der vergißt, daß auch der Jrrthum seine Berechtigung haben kann. In der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie erblickt er ein Gewebe von eitel Trug und Thorheit; das Philonische System zerbröckelt' ihm unter der Hand zu einem Gerölls von Widersprüchen und Seltsamkeiten, in denen herumzuwühlen eigentlich nur Curiositätenkrämer ein Interesse finden sollten. Philo ist ihm ein schreibseliger Mann, der eine tüchtige Portion Eitel-

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