Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Anschauungen über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 406 (sequence 8)
- Language
- German
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406 Zur Geschichte der Anschauungen teren Zeiten des Mittelalters hinabgeflossen waren. Nur die hierher gehörigen Apokryphen wurden zu allen Zeiten vielfach geleseil und selbst commentirt. Aber die Zeit, welche die Pseudepigraphen den Apokryphen, ja den echten biblischen Schriften gleichstellte, welche den Erzvätern auf Grund dieser trüben Litteratur eine Helle Kenntniß des Christenthums beimaß, welche die Bücher der Makkabäer von Simon Pontifex und dem Juden Philo verfaßt sein ließ 9, welche Physik aus der Genesis und Logik aus dem hohen Liede lernen wollte'9, sie konnte auch in ihren besten, gelehrtesten, unbefangerlsten Vertretern zu einem geschichtlichen Verständniß der hellenistischen Religionsphilosophie nicht gelangen. Die Jrrthümer des Mittelalters erbt in voller Zahl der Humanismus. Das Wiedererscheinen klassischer Autoren in den Schulen lichtet nur zum Theile das Dunkel, das im Mittelalter die Texte der hellenistischen Schriftsteller bedeckt hat. Die in rascher Folge sich drängenden Ausgaben und Uebersetzungen führen kaum zu einem besseren Verständniß des Inhaltes, denn die erschlichene Autorität einer ohne Kritik geschaffenen Vulgata hemmt das ernste Studium. Dazu beschäftigen andere, wichtigere Fragen die wissenschaftliche Welt, und weder Luther's absprechende Urtheile über jüdische Alfanzereien', noch Marsilius Ficinus' neuplatonische Liebhabereien konnten ermuthigend auf die Erforschung des jüdischen Hellenismus einwirken. Pico di Mirandola's und Reuchlin's Vorliebe für kabbalistische Träume, deren Verwandtschaft mit der jüdisch-hellenistischen Neligionsphilosophie man bald genug ahnte, lichtete nicht das Dunkel, sondern nurnebelte die Köpfe von Zeitgenossen und Nachfolgern; denn Schwärmer wie Agrippa von Nettesheim und Theophrastus Paracelsus deckten mit den Jrrthümern der bedeutenden Männer die Truggebilde der eigenen, irren Phantasie. Auch bei nüchternen Forschern hinderten die alten Vorurtheile jede geschichtliche Erkenntniß. Der Glaube an die Fabrikate der Pseudepigraphie, an die Urweisheit der Hebräer blieb