Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der Anschauungen über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 405 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829384-2864636--12272-2864669- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie. 408 Theologen ihre Predigten und Abhandlungen, ohne sich des Gegensatzes bewußt zu werden, der zwischen den alten Mustern und den neuen Copien besteht. Aristobül's aoyCa, der Xoyog Philo's wurden für den loyog des Christeuthums und den als Messias erschienenen Gottessohn erklärt6, und um die grenzenlose Täuschung zu vervollständigen, in der man sich befand, so wurde auch das geschichtliche Verhältnis׳, das zwischen Judenthum und Heidenthum besteht, auf den Kopf gestellt. Jrt den grobeil Fälschungen der Pseudepigraphen erblickte man die uralte Weisheit griechischer Seher und Sänger; Orpheus, Homer und Hesiod sollten jüdische uitd griechische Lehren vorahnend geschaut, Plato zu den Füßen Moses' gesessen haben, und alle griechische Philosophie sollte ein Schatten jüdischer Offenbarung fein, den die Macht des Teufels und der Dämonen auf die heidnische Welt geworfen habes. Das spätere Mittelalter thut Nichts, um die Fehler der früheren christlichen Zeit gut zu machen. Im Gegentheil. Die Jrrthümer werden größer, die Kenntniß des jüdischen Alterthums geringer, die Vorurtheile dichter: zuletzt verschwindet fast jede Kunde vom jüdischen Hellenisnms, soweit nicht der Kanon des alten Testamentss und schlechte lateinische Uebersetzungeu sie vermitteln. Die Kirche des Abendlandes ward fast alleinige Trägerin der bisherigen Bildung; aber nur wenige von ihren Lehrern besaßen Geisteskraft und Gelehrsamkeit genug, um anstatt ihre unmittelbaren Vorgänger urtheilslos zu excerpiren, zu den alten Quellen selbst zurückzugehen und durch sie die eigene pusillitas ingenioli, über die sie oft genug selber klagen, befruchten zu lassen. Während inan im neunten Jahrhundert noch gegen das zu eifrige Lesen der Schriften Philo's und Josephus' von christlicher Seite eifern zu müssen glaubte?, und die Lectüre Josephus' auch sonst häufig empfohlen ivard b, beweisen doch nur wenige Citate bei beu Scholastikern des Occidentes, daß spärliche unlautere Tropfeir aus jenen alten philosophischen Quellen in die spä-