Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 9 · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 9
Article
Zur Geschichte der Anschauungen über die jüdisch-hellenistische Religionsphilosophie
Date
1869-01-01
Page
Seite 404 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829374-2829384-2864636--12271-2864668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

404• Zur Geschichte der Anschauungen stehen, obgleich schon zur Zeit des Origenes der Nenplatonismus als ketzerisch aus dein Schovße der orthodoxen Kirche war verbannt worden, trotz aller Verwandtschaft, die zwischen jüdischhellenistischen und heidnisch-neuplatonischen Lehren bestand. Sie erhielt sich ungeschwächt, solange man überhaupt Sinn für philosophische Forschung sich bewahrte. Aber ein rechtes Verständnis; für den Sinn der jüdischen Religionsphilosophie fehlte dennoch gänzlich, und von einer geschichtlicheu Forschung über Ursprung, Fortgang und Verfall dieser Erscheinung kann nicht die Rede sein in der wirren, geschichtslosen Zeit, in der christliche Kaiser den letzten Rest philosophischer Forschung unter Heiden und Juden zu ersticken suchten. Die christlichen Väter stellen sich ganz naiv auf einen specifisch christlichen. Standpunkt und urtheilen von ihm herab über die nahen und doch so fern stehenden Bestrebungen der jüdischen Theologen. Man sah, daß es in ihren Schriften der Anklänge an christliche Anschaurmgen nicht wenige gab; man fand es unbegreiflich, daß die alten Väter ihre Lehren jüdischen Meistern sollten entlehnt haben. Was war die Folge? Man hielt sich für überzeugt, daß diese Juden gar keine echten Juden seien, sondern verkappte Christen, aufrichtige ge- Heime Anhänger der orthodoxen Lehre oder verirrte Kinder der Kirche^. So ward Philo zum Schüler des Petrus in Essäern und Therapeuten erblickte man christliche Secten, denen Nichts zum Christenthum fehlte, als der Raine4; die Schriften der •jüdischen Hellenisten wurden oft m derb christlichein Sinne interpolirt, und Keiner der späteren Leser sah die schroffen Wider- .spräche zwischen den echten Bestandtheilen und den plumpen Einschiebseln. Und auch der Inhalt dieser Schriften nahm den Kirchenvätern unter der Hand eine andere Gestalt an. Origenes, Basilius, Ambrosius, Gregorius voll Nazianz, Theodoret und viele Andere schmücken mit den glänzenden Fetzen der alten jüdischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.