Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Über Entwicklung der Pentateuch-Perikopen-Verlesung
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 10)
- Language
- German
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894 Ueber Entwickelung Umstand dabei mitgewirkt, den Perikopen alle Bedeutung zu nehmen. Es liegt in der Natur der Sache, daß, dem Ursprunglichen Gebrauche der Selbstbetheiligung am Verlesen gemäß, die Perikopen kurz sein mußten. Es ist nicht Jedermanns Sache, langathmige Abschnitte mit Aufmerksamkeit öffentlich vorzulesen. Daher war es von jeher eingeführt, daß jeder Angerufens nur etwa drei bis fünf Verse zu lesen hatte. Es wurde noch in der mischnal'tischen Zeit zur Regel aufgestellt: je kürzer die Perikopen, desto besser?) Da am Sabbat nur zwischen 21 und 35 Verse des Pentateuchs verlesen ivurden, so konnte derselbe nicht in einem Jahre beendet werden. Rapoport hat mit Scharfsinn und tiefer Gelehrsamkeit herausgebracht, daß die Eintheilung des Pentateuchs in 150 Abschnitte (סדרים), die sich in der Masora und auch schon im Talmud findet, den dreijährigen Cyclus voraussetzt, und daß davon auch die Versabtheilung bedingt war?) Man kann aber noch weiter gehen und behaupten, daß die Mischnah nur den dreijährigen Cyclus kennt, daß dieser demgemäß der ursprüngliche war. Denn sie spricht unzweideutig von einer Unterbrechung der laufenden Perikopen durch Festtage und Neumonde, wenn sie auf einen Sabbat fallen und durch exceptionelle Sabbate, wie die vier vor ׳) Tosifta Megilk in. אין קורין בתורה פחות מג׳ פסוקיכש . . . אין מפפוירין בנביא פחות מג׳ פסוקים המקצר הרי זה משובח. Dieser Schluß bezieht sich nicht bloß auf den letzten Passus, auf die prophetischen, sondern auch auf die pentateuchischen Perikopen. Es geht daraus hervor, daß höchstens 5 Verse auf einen Vorleser gekommen sind. a) Sammelschrift הליכות קרם von Gabriel Polak p. 10 fg. Wenn Rapoport daselbst x. 17 behauptet, daß die Peschito zum Pentateuch (deren jüdischer Ursprung nach den Forschungen Rapoport's, Calvari's und PerlcS' als ausgemacht gelten kann) den einjährigen Cyclus voraussetzt, so ist da§ noch nicht ansgemacht. Sie hat allerdings zum Schluß nur 126 oootiones (צחחא) für den Pentateuch; aber die Zahl muß corrumpirt sein, da die Zahl der sectiones für Genesis so ziemlich mit denen der סודית (über 40) übereinstimmt.