Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Über Entwicklung der Pentateuch-Perikopen-Verlesung
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
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392 Heber Entwickelung Souffleur, noch einen Ersatzmann. Unter den zarfatischen und deutschen Juden dagegen stand das Talmudstudium obenan, Grammatik und Exegese waren wenig geachtet; dadurch wurde auch die Bibel vernachlässigt oder galt nur als Appendix zum Talmud. Das Lesen unpunktirter Texte fiel ihnen schwer, und darum war ein Beistand oder ein permanenter Vorleser vonnöthen. Doch dieser Umstand war nicht der einzige Grund, daß die so wichtige Institution, daß fedes anständige und Ehren beanspruchende Gemeindemitglied so viel von hebräischer Sprache und Bibelkunde verstehen sollte, um seine Perikope selbst lesen zu können, in Verfall gerathen ist. Wir haben gefunden, daß R' Tam die Aenderung des uralten Brauches auf den Umstand zurückführte, daß den Unkundigen das Gefühl der Beschämung erspart werden sollte. Diesen Grund läßt Äschert nicht gelten. Er meinte, die Unwissenden hätten keine Berücksichtigung verdient, im Gegentheil, sie hätten durch die Beschämung angespornt werden müssen, sich in der Bibel heimisch zu machen. Tie Abänderung des ursprünglichen Brauches sei vielmehr darauf Zurückzuführen: daß nicht Jedermann im Stande gewesen sei, die ihm zugetheilte Perikope mit der üblichen Modulation oder Cantilene (Trop) zu lesen. Das Cantiliren des Textes sei aber so wichtig und wesentlich, daß ohne dasselbe die Verlesung aus dem Pentateuche bedeutungslos fei.1) Aschen war bekanntlich ein Deutscher, und die Aschkenasim legten außerordentlich viel Gewicht auf das complicirte Cantilenen-System, während die sephardischen und italienischen Juden sich noch heutigen Tages nur eines einfachen, leichten Neeitatirs bedienen. In diesem Kreise der zarfatischen oder aschkenasischen Juden, aus dem das ') Ascheri za Megffla III Nr. 1. אלא נראה הטעם . . . שיקרא שליח ציבור . . . לפי שאין הכל בקיאין בטעמי הקריאה ואין הציבור יוצאין בקריאתו והוא בעיניו כיודע .. . לכך התקינו שיקרא שלית ציבור שהוא בקי בקריאה.