Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Über Entwicklung der Pentateuch-Perikopen-Verlesung
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
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388 Heber Entwickelung eine Heilslehre, wenn auch keine jenseitige, und weil sie alle Zeiten und Lagen umfaßt, beanspmcht sie auch den ganzen Menschen, verlangt stets prssenco d’esprit. Das eigentliche Gebet gehörte ursprünglich gar nicht zum jüdischen Gottesdienste und bildete, als es eingeführt wurde, nur einen untergeordneten Bestandtheil desselben. Wer das Bedürfuiß zum Beten hatte, ging in sein Kämmerlein und schüttete sein Herz vor Gott aus: ״Wer sein Gebet fixirt, der kann es nicht herzergreifend machen: העושה תפילתו קבע אין תפילתו תחנונים, bemerkte der strenge R'Elieser ben Hyrkanos gegen die Einführung bestimmter Gebetformeln. Dagegen waren die pentatenchischeu und prophetischen Perikopen das Alpha und Omega des Gottesdienstes. Aus ihnen gingen die Versionen (das Meturgeman-Wesen), die Septuaginta und die übrigen griechischen Uebersetzungen, die syrische Peschito und die chaldäischen Targumim, die Midraschim und die urpoetanische Literatur, die Homilie und die Predigt hervor. Es war ein fruchtbarer Keim, der viele Stämme, Zweige und Blüthen trieb. Besonnene Belehrung, Erweckung des logischen Elements in der Seele, Erfassung der Lehrwahrheiten mit dem Verstände, ist eben für das Judenthum typisch, dagegen ist Gefühlsüberreizung, sentimentale Schwärmerei für das Religiöse, die so oft in Andächtelei, Himmelei und Mystik ausartet, durchaus nnjüdisch. Die ewigen Muster für religiöse Erweckung, die Propheten, haben mit Logik operirt, vermöge des Verstandes auf das Geinüth gewirkt; die Poesie der Psalmen ist nicht sentimental und mystisch. — Doch kehren wir von dieser Digression zu unserem Thema zurück. Die Vorlesungen aus Gesetz und Propheten haben sich als ein höchst wirksames Agens zur Belebung und Befestigung des Judenthums erwiesen. Diese Wirksamkeit zeigt sich in noch größerer Bedeutung, wenn man näher auf die Modalität derselben eingehl. Wie waren sie ursprünglich? Wir wissen aus den talmudischen Traditionen nichts anderes, als daß Jedermann,