Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Über Entwicklung der Pentateuch-Perikopen-Verlesung
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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der Pentateuch-Pcrikopen-Verlesmig. 887 gegangenen sopherischen Lehrer haben die Makkabäer-Siege errüngen. Vergegenwärtigen Sie sich, geehrte Freunde, die vorangegangenen Epochen unseres Volkes unter den Richtern oder den Königen, sei es im Zehnstämme-Reich oder in Juda, und Sie werden sich sagen müssen, daß in keiner derselben die Liebe und der Enthusiasmus für das ״Gesetz" so lebendig war, um mit den Makkabäischen Kämpfern auszurufen: ״Geben wir unser Leben für das Gesetz unserer Väter hin!" Wie oft ist seitdem dieses Wort von Millionen jüdischer Märtyrer auf allen Theilen der bewohnten Erde gesprochen worden! Die regelmäßigen Verlesungen aus dem Pentateuch und den Propheten, die von selbst in Perikopen eingetheilt werden mußten, haben erst diese Opferfreudigkeit und Märtyrerfähigkeit erzeugt, indem sie den Inhalt derselben zum Eigenthum des Volkes, zur Seele seiner Seele machten. Es ist dadurch das ״Volk der Schrift" geworden, wie es Mohammed nannte, und die heilige Schrift ist sein ״portatives Vaterland" geworden, wie ein geistvoller moderner Schriftsteller sinnig bemerkte. Die Vortrefflichkeit dieser Institution, die Perikopen-Verlesung, haben die Kirche und die Moschee in gleicher Weise erkannt und sie in den Gottesdienst eingeführt. Es wäre ein interessantes Thema, nachzuweisen, wie viel die Cultur der Völker dieser Institution zu verdanken hat, würde uns aber zu weit von unserer Tagesordnung abführen. Ihnen, verehrte Freunde, braucht es nicht gesagt zu werden, daß die Vorlesungen aus dem Gesetze und den Propheten den Mittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes gebildet und zugleich dessen Charakter bestimmt haben. Nicht Andachtserweckung und Erregung religiöser Stimmung, sogenannter Erbauung war und ist Zweck des jüdischen Gottesdienstes, sondern Belehrung, Verlebendigung der zugleich religiösen, sittlichen und — lassen Sie es mich, aus Mangel an einem bezeichnenden Worte nennen — soterischen Wahrheiten, daß sie jedem Einzelnen, zu jeder Zeit gegenwärtig bleiben konnten. Das Judenthum ist richtig 25*