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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 8 · p. Seite 379

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 8
Article
Der Prozeß Eisenmenger
Date
1869-01-01
Page
Seite 379 (sequence 2)
Language
German
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Der Prozeß Eisenmenger. 379 Im Frühling« des Jahres 1699 fanden heftige Judenverfolgungen im fränkischen Kreise, insbesondere in Bamberg, statt?) Lüderliches Gesindel rottete sich gegen die Juden zusammen, sich auf ein erdichtetes kaiserliches Patent berufend, vermöge dessen es Jedermann erlaubt sein solle, alle Juden im römischen Reiche an Hab und Gut, das Leben allein ausgenommen, auf's Aeußerste zu verfolgen und anzugreifen. In dreißig Orten drang dieses Gesindel gewaltsamer Weise in die Häuser der Juden und plünderte sie völlig aus. Doch damit begnügte sich der Pöbel nicht. Nach dem bekannten Sprichworte: L’appetit vient en mangeant wurden auch die Schlösser des Adels angegriffen. In Folge dieser Vorgänge richtete der Kaiser an die Chursürsten und Stände des Reiches' ein Schreiben (16. Juni 1699) und forderte sie auf, die Uebelthäter zu bestrafen. Dieser kaiserliche Befehl verschaffte momentan Abhilfe und zwar um so bessere, als der Adel, die eigenen Interessen wahrend, auch das Interesse der Juden wahren mußte. — Daß das Feuer unter der Asche fortglomm, versteht sich von selbst, da der Pöbel es zu allen Zeiten bequemer fand, auf Kosten Anderer zu leben, als selbst thätig zu sein. Bezüglich der Inden hatte er überdies einen plausiblen Vorwand, gewissermaßen im Interesse der christlichen Religion zu handeln. In dieser Zeit trat Eisenmenger mit seinem berüchtigten Buche auf. Er selber giebt über den Grund des Entstehens desselben an: Er habe sich in den Jahren 1680 und 1681 zu Amsterdam aufgehalten und mit einigen gelehrten Inden Umgang gepflogen, um die hebräische Sprache zu erlernen, unter anderen mit dem Rabbiner David Lida. Dieser habe gesprächsweise geäußert, die Seele Jesu Christi stamme von dem obersten Teufel Samael rc. und sei in das allertiefste Loch der Hölle gestoßen *) Herr Kodak theilt in seiner Zeitschrift: Jeschimm 1868 mit, daß in Bamberg noch jetzt am 29. Nissan ein Fasttag gehalten wird, der vom Rabbiner Mendel Rothschild, einem Urahnen der auf finanziellem Gebiete berühmten Familie Freiherren v. Rothschild, (vergl. Levysohn's: Nai'schoth Zadikim Nr. 41) eingeführt wurde. Herr Kobak weiß nicht, warum dieser Fasttag eingeführt wurde. Die obige Mittheilung giebt die Ursache an. Eigenthümlich genug wird diese Judenverfolgung von Historikern nicht erwähnt.

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