Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Tendenz und Abfassungszeit der letzten Capitel des Buches der Richter
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 3)
- Language
- German
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des Buches der Richter. 359 allerdings zuerst und deutlich dem Auge aufdrängt, nämlich die Darstellung eines historischen. Ereignisses, bis endlich der Eine oder der Andere hie und da die verblaßten Striche wiederentdeckt, welche die Nebenabsicht des Verfassers vermuthen lassen. Aber selbst nach dieser Entdeckung bleibt für die Erklärung des Bildes noch das Meiste zu thun. Da der Verfasser meist nicht genannt ist, so muß nran aits den schwachen Andeutungen seiner Schrift zuerst die Zeit, wann er schrieb, errathen, wonach sich dann auch wohl ein Anhaltspunkt für das Tagesinteresse, wofür er schrieb, auffinden läßt. Hier soll ein solcher Versuch angestellt werden mit dem Situationsbilde, das dem Nichterbuche angehängt ist, und das man gewöhnlich als die Erzählung von dem Kebsweibe zu Gibea bezeichnet. Die Erzählung beginnt und schließt mit den Worten: ״In dieser Zeit war keür König in Israel" (19, 1. 21, 25). Zwischen diesem. Anfang und Ende wird voir einer Schandthat berichtet, welche Einwohner der benjaminitischen Stadt Gibea an dem Kebsweibe eines levitischen Mannes, (das ans Bethlehem in Inda gebürtig war), begehen. Der beleidigte Ehegatte ruft die Gemeinde Israel zur Rache auf. Dem Rufe folgend versammelt sich die ganze Gemeinde, sogar der in Gilead seßhafte Theil, nach Mizpa, wo zunächst der Beschluß gefaßt wird, die Auslieferung der Missethäter von Benjanrin zu verlangen. Da indessen Benjamin dieser gerechten Forderung nachzukommen sich weigert und sich auf diese Weise zum Theilnehmer des Verbrechens macht, so entbrennt (Seiteils der Gemeinde unter dem Vortritt Juda's) der Kampf, der sich anfangs günstig für Benjamin anläßt, der aber endlich mit eurer vollständigen Niederlage dieses Stammes abschließt. Irr der erbitterten Stimmung, von rvelcher die Gerneinde noch beherrscht ist, faßte diese sogar den eidlicherr Beschluß, iir Zukunft keine eheliche Verbindung ihrer Töchter urit den Söhnen Benjamins zuzulassen, nur ans diese Weise den Stamm auszurotten. Weiter aber bereut die Gemeinde ihren Schwur, und es bricht ein allge-