Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Das Talmudstudium
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Talmud studimn. 34S senden Forschung aufbauen, erkennt das Judenthmn als endgültig und normirend an, den: Judenthmn ist der Unterschied zwischen Priester und Laien und nicht minder der Unterschied zwischen Rabbiner und Laien unbekannt; der der jüdischen Wissenschaft mit Erfolg Obliegende ist Rabbiner, die Ergebnisse der Wissenschast sind maßgebend: Rabbiner können und sei ihre Zahl noch so groß, weder binden noch lösen, ist nicht ihr Ausspruch durch die Wissenschaft motivirt, hat er nicht in ihr Ausgangs- und Endpunkt, so hat er sich von vorn herein als dem Geiste des Judenthums fremd gerichtet. Dieses das Judenthum charakteristrende Kennzeichen ist Vielen abhanden gekommen, und darum wird niancher sogenannte Ruf der Zeit vernommen, der an sich unberechtigt ist; es wird mancher, auf dem Boden anderer Confessionen sich ereignende Vorgang, die dortige Klage über das den freien Gedanken fesselnde Dogma und die ihn in ihren Consequenzen niederdrückende Hierarchie auf das Judenthmn hinübergetragen; aber das Judenthum kennt nicht Gedanken- und Gewissenszwang, das Judenthum hat nicht Weihe und bevorzugteu priesterlichen Stand: das Wissen giebt den Vorzug, das Wissen ertheilt die Weihe. Wie aber es sich aneignen, wie gelangen;u den Schätzen dieses Wissens? Die jüdische Literatur ist groß und weitumfassend, sie hat sich fast aller Gebiete des menschlicheir Wissens bemächtigt und sich theils selbstständig den Weg gebahnt, theils die Resultate der bedeutendsten anderen Stationen angehörenden Forscher ausgenommen und verarbeitet. Doch wir wenden uns zu der eigentlich jüdischen Theologie: sie bauet sich auf der heil. Schrift, ferner ans Mischna und Talmud auf, jene die schriftliche, Mischna und Talmud die mündliche Lehre genannt; jene ist sixirt und soll nur aus dem Buche erlernt werden, diese soll flüssig bleiben, soll, nicht in Buchstaben und kalter Hülle eingeengt, an sich in unausgesetzter Entwickelung einen stetigen Geistesprozeß vollziehen. Die massenhaft angewachsene Literatur und äußere