Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Das Talmudstudium
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 2)
- Language
- German
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348 Das Talmudstudium. oder Unrichtigkeit des im Geiste Construirten. Tiefe Znsanunenkünfte, zu denen die Entferntesten Herbeikamm — Mancher hatte mehrere Monate zuzureisen und konnte nur kurze Zeit verweilen, daher בר בי רב דחד יומא genannt — ließen auch das Praktische nicht abwärts liegen; manche dem Leben angehörenden und in ihm sich ereignenden Vorfallenheiten wurden ans Grund wissenschaftlicher Forschung besprochen und über sie nach genauem Abwägen und reiflicher Discussion Beschluß gefaßt. Fast bedarf es kaum der Erwähnung, daß unser Zusammentritt ein, wenn auch nur schwaches Spiegelbild jener alten Kalli ist: es versa,nmeln sich der jüdischen Wissenschaft obliegende Männer, um, wozu Mehreren selten Gelegenheit geboten ist, sich über wissenschaftliche Gegenstände zu besprechen und sich inr gegenseitigen Austausche für die Wissenschaft von Neuem erwärmen; das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das durch sie bedingte vereinigte Streben nach einem gemeinschaftlichen Ziele soll wieder wach gerufen werden, auch wollen Viele in dem Zusammentreffen mit Gesinnnngsgenossen und Studienfteunden nranches in früheren Tagen mit einander Erlebte und Durchlebte an sich vortiberziehen lassen und sich in diesen Erinnerungen mit erneuerter Kraft für das Ideal begeistern, das ihnen in ihrer Studienzeit vorschwebte und ihre Brust mit frohein Muthe in dem Ringen mit den, den Jüngern der Theologie nicht selten erivartenden Kämpfen und Beschiverden erfüllte. Und die Wissenschaft soll sie nicht dem Leben entfremden, das Leben soll mit seinen Forderungen nach den, Vorbilde jener alten Zusammenkünfte feine Berechtigung finden; die hier zusammentretenden Männer, die fast sämmtlich in Amt und Würde stehen, wollen sich die in ihrer respectiven Stellung gemachten Erfahrungen mittheilen und in eingehender Besprechung reiflich erwägen, was zur Hebung des religiösen Gefühles noth thue, den Ruf der Zeit prüfen, und wie ihm auf Grund religiöser, wissenschaftlicher Forschung Folge zu geben sei. Der Forschung! Nur die Resultate, die sich auf einer gewissenhaften, streng prü-