Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 8)
- Language
- German
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und das Judenthum. 331 sonst, wenn die Gemeinde zahlreich genug ist, zu einer Secessio führt. Eine solche ist es, die z. B. in Frankfurt a. M. besteht, nicht ein ״Schisma" im christlichen Sinne. — Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, dogmatischen Streitigkeiten und faktischen Differenzen. Selbst zwischen Rabbaniten und Karäern würde ein Schisma nicht entstanden sein, wenn Letztere die Tradition nur theoretisch bekämpft hätten. Und das ist es auch ohne Zweifel, was Mendelssohn mit seinem vielbestrittenen Satze über die Dogmenlosigkeit des Jüdenthums hat sagen wollen: inr Judenthume, meint er, kommt es nicht auf die ״Lehrwahrheiten" an, sondern auf die Beobachtung oder Nichtbeachtung des Gesetzes. Bedenkt man, für wen Mend. sein ״Jerusalem" zunächst geschrieben hat, so wird man auch leicht erkennen, warum er den Satz so und nicht anders ansgedrückt hat. Doch G. und I. streiten ja eigentlich über Cultnsfragen! Sollten denn Beide nicht wissen, nicht sehen, daß gerade auf diesem Gebiete die ״dogmatischen Fragen" weit im Hintergründe stehen, erst aus der Studirstube in das Volk gekommen sind, daß dieses, das jüdische Volk, aber zu solchen dogmatischen Streitigkeiten gar keine Neigung verspürt, weil es mit richtigen: Takte fühlt, daß dies nicht ״Jakobs Antheil" ist? Was in Cultnsfragen das Volk erregt hat und noch erregt, das sind Dinge, die mit Dogmen nicht in der entferntesten Beziehung stehen: Pinlim, deutsche Gebete, Thoravorlesung, Orgel u. dgl. Wie? wenn G. die Akedafrage ״studirt", zu einer Ansicht kommt, die freilich nicht neu ist, mit der er aber sehr vereinzelt steht, und wenn er daran die Forderung knüpft, die betreffenden Gebete auszumerzen, womit er noch mehr vereinzelt steht, so soll das alsbald eine brennende Frage sein?! Nehmen wir noch einen andern Satz, an dem sich recht deutlich zeigt, wohin die Verlegung des Schwerpunktes in das dogmatische Gebiet führt. G. spricht von der Auferstehung der Todten und sagt: ״wenn der Orthodoxe nun ernstlich nach fragt über diesen Glauben und das unumwundene Bekenntniß von ihm verlangt, und wenn umgekehrt ein entschieden Freisinniger das Wort einmal-offen ausspricht: ich glaube nicht an die Auferstehung des Leibes, und wenn eine Gemeinde das Begehren stellt u. s. w." Drei sonderbare Wenn! ״Wenn ein Orthodoxer re."-Das soll Loch nicht heißen: wenn er den Punkt mit uns besprechen will — solcher Discusston gehen wir nicht einmal mit unfern Confirmanden aus dem Wege — sondern: wenn er in Ketzerrichterweise fragt; nun dann geben wir dem Manne grob oder höflich, je nachdem, zu verstehen, daß