Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 330 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829374-2829382-2864509--12183-2864560
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

380 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart stelle,, oder auf seine eigenen Ansichten berufen, warum sollte er dadurch aufhören, jüd. Theologe zu sein?! Aber wenn er jene Regeln in seinem Hause nicht hält, so kann er einen ״frommen Juden" nicht zu Tische laden; wenigstens kennen wir Tausende von ״Laien", die dies um keinen Preis thun würden. ׳— Nun sagt I., ״der freisinnige jüd. Theologe hat nicht eine Bewegung in's Schwankenlose frei, es giebt für ihn einen Markstein, an dem er Halt zu machen und sich zu sagen hat, hier befinde ich mich nicht mehr innerhalb, sondern außerhalb des Judenthums." G. polemistrt dagegen, der Ausdruck ״freisinniger Theologe" hat hier offenbar eine Verschiebung des Standpunktes veranlaßt. Dr. G. hat s. Z. schon die Frage so gestellt, wie sie ihm am Günstigsten stand: ״ist die freie Forschung mit dem׳ Rabbineramte verträglich?" — Uebersetzen wir aber die Frage in's Jüdisch-Praktische, so lautet sie: kann Jemand, der z. B. das Untersuchen des Schächtmessers oder eines Hühnermagens faktisch für eine Thorheit erklärt, Rabbiner einer Gemeinde sein?" Einer Gemeinde sagen wir; nicht einer Genossenschaft Gleichgesinnter, die gerade einen solchen Manu wählt, sondern einer Gemeinde, in der es auch Solche giebt, die von dem Rabbiner verlangen und erwarten, daß er die Schächter nach jenen Regeln prüfe und nach ihnen paskene (sit venia verbo). Rabbiner aber ist dock) nur Derjenige, der durch das Vertrauen der Gemeinde berufen und gehalten wird. ׳— So gestellt, wird die Frage kurzweg verneint werden, das Volk verneint sie! Leidenschaft und Sophistik haben nur kurze Zeit sein gesundes Urtheil und sein Gerechtigkeitsgefühl trüben können. Kurze Zeit haben die Leiter einzelner Gemeinden es für angemessen erachtet, Männer als Rabbinen Zu berufen, die das Volk ״von dem Joche der Satzungen befreien" sollten. Man hat bald eingesehen, daß man dazu keines Rabbiners bedürfe. Hier und da hat die ״freisinnige" Majorität gesagt: wir nehmen einen Mann nach unserem Sinne, die Minorität muß sich fügen; aber der gesunde und rechtliche Sinn des Volkes hat fast aller Orten erkannt, daß, wie die Gemeinde verpflichtet sei, für מקלח ,שוחט u. dgl. Zu sorgen, auch wenn die Majorität diese Personen und Institute nicht brauche, daß sie so auch zum Rabbiner einen Mann berufen müsse, der das Vertrauen der Orthodoxen zu verdienen und ihren Ansprüchen zu genügen vermag (Alles freilich cum grano salis). Sind die Nabbinerwahlen in den letzten 15 Jahren überwiegend in diesem Sinne ausgefallen, so bedeutet dies den Sieg ׳— nicht einer Partei, sondern der Gerechtigkeit, eine Umkehr — zur Leidenschaftskosigkeit, ein Ende des brutalen Majorisirens, welches

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.