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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 329

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 329 (sequence 6)
Language
German
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und das Judenthum. - 329 habe. Das klingt denn freilich höchst paradox, aber doch nur, wenn die Termini im christlichen Sinne aufgefaßt werden. Für den Juden liegt die Sache höchst einfach. Müssen wir es denn erst sagen?! Die theoretische Forschung ist im Judenthnme frei; Abraham b. David hat vollkommen recht, wenn er zornig gegen Maimon. aussährt, weil dieser denjenigen einen ]מי nennt, der über den dritten seiner עקרים nicht ganz correkte Meinungen hegt. Ein ״Theologe" mag über den Sinn der Worte: וירד ה׳ עה״ס, וידבר ד׳ א״מ die kühnsten, von dem Ueberlieferten noch so sehr abweichenden Ansichten aufstellen, er mag über die künftige Wiederherstellung der Opfer (!הלבתא למשיחא) denken und lehren, wie er will; er darf auch über die ״Dignität der Schlachtregeln" seine sehr heterodoxe Meinung haben — er wird darum nicht verbrannt, nicht geschädigt, weder in der Theorie noch in der Praxis! (Die Herren pflegen freilich etwas empfindlich zu sein und fühlen sich gekränkt, wenn andere Leute sich ihre Belehrung, z. B. ihre in jenem Sinne gehaltene Predigt, verbitten — aber das ist eine Abgeschmacktheit.) In der Hitze des Kampfes wird man, heute wie in der maimunischen Epoche, wohl mit den Worten כופר, außerhalb des Judenthums Stehen" u. dgl., und von der anderen Seite mit 11 אור, הולך חשכיםD u. dgl. um sich werfen; aber Solches geht eben nur von den Kämpfern selbst aus, von den Theologen, deren odium bekannt; die Praxis des religiösen Lebens, d. h. das dieselbe tragende jüdische Volk, geht darüber schnell zur Tagesordnung. Das sagt nun freilich auch G. Falsch ist es nur, wenn er dies der ״hereinbrechenden Aufklärung" zuschreibt und darunter, wie doch anzunehmen, an das 19. Jahrh. denkt; Vr. G. weiß ganz genau, das; die Beispiele, worin ״fanatischer Eifer das 1מורידי[ ול״מ) faktisch angewendet, in der ganzen Geschichte der Juden so vereinzelt sind, daß sie die Regel nur bestätigen. Er weiß, daß das jüdische Volk dem tüchtigen ]למר, auch wenn er im dringendsten Verdacht eines שמץ מימת stand, nie die Achtung versagt hat. Dagegen kommt es im Judenthume sehr genau, sehr minutiös auf die Praxis an! Differenzen in dieser führen zunächst z. B. zu einer ״Scheidung von Tisch", greifen also tiefer in das Leben ein, als alle ״dogmatischen Streitigkeiten" zusammen. Ein ״Theolöge״ mag die Regeln über טרפה und כשר und alle הויות דאבי ורבא für sehr geringfügig Hallen und sich dabei auf die ihm bekannte Talmud- ') Ueber den harmlosen Sinn dieses scheinbar fanatischen Ausspruches מורידן wird die Monatsschr. nächstens einen Artikel bringen. R.

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