Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 5)
- Language
- German
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328 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart der Materialisten stehen, woraus der Laie wenigstens zur Genüge ersieht, daß der Materialismus keineswegs aus der Naturforschung hervorgeht, oder gar von dieser gefördert, geschweige denn gefordert wird. Die Verbreitung materialistischer Ansichten zu erklären, wird also nichts übrig bleiben als einerseits auf den Göthe'schen Satz: ״der Geist des Widerspruchs und die Lust zum Paradoxen steckt in uns Men" zu recurrireu — Paradoxeres als den Materialismus kann es aber, wie wir schon gesagt haben, nicht geben — andererseits haben wir die Ursachen eben da zu suchen, wo die der antikirchlichen Richtung liegen, auf die wir daher jetzt tibergehen. Da nämlich Christenthum und Judenthun!, sich in Angriff und Vertheidigung den Materialismus gegenüber in derselben SLellung befinden, so ist es nicht uöthig, auf die Verhältnisse im Judenthum hier besonders einzugehen, auch von Atheismus, Pantheismus reden wir nicht, da wir im Folgenden doch alle die Richtungen zusammenfassend betrachten, die sich gegen die bestehenden Religionssormen vereinigen. Nachtrag. Als wir vorlängst obigen Satz nach bestem Wissen niederschrieben, vermut!) eten wir nicht, daß wir an demselben gleichsam irre gemacht und zu einer längeren Anmerkung darüber veranlaßt werden könnten. Dies ist jetzt durch die neueste Streitschrift G. contra I. (״Etwas über Glauben und Beten") geschehen. Wir wollen nicht den Göthe'schen Satz anwenden: ״Sie glauben mit einander zu streiten, und fühlen das Unrecht von beiden Seiten" — aber wir haben doch ein Verschieben des Standpunktes, und zwar herbeigeführt durch das Herübernehmen von Ausdrücken wie ״Dogma, dogmatische Streitigleiten, Orthodoxie, Glaubensbestand" u. dgl., Worte, die im Judenthunie jedenfalls einen andern Inhalt haben, als da, von wo sie entlehnt sind. Das Schriftchen von I. ist uns nicht mehr zur Hand, wir können nicht genauer prüfen, inwiefern die Schlußfolgerungen, die G. aus demselben zieht, richtig sind. Nehmen wir jedoch einen Punkt als Exempel heraus. G. zieht die Consequenz, daß, nach I., die ״Dignität der Schlachtregeln" als Dogma gelte!:, daß eine Divergenz der Ansichten darüber, nach I., zu einer Spaltung führen müsse. Dagegen macht G. geltend, daß sich z. B. an die Verschiedenheit der Ansichten über die Unkörperlichkeit Gottes durchaus nichts einer Spaltung Aehnliches geknüpft