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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 326

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 326 (sequence 3)
Language
German
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326 Die religiösen Bewegungen der Gegenwart philosophisches System, würde in der Thai heutzutage an der Reihe sein; es ist ein dein Kenner der Geschichte der Philosophie geläufiger Satz, daß er dreimal,') je nach Ablauf eines Cyklus philosophischer Systeme, aufgetreten ist, und so würde er jetzt die von Kant bis Hegel durchmessene Bahn abznrunden haben; aber die Philosophie, als Wissenschaft, ist in der Gegenwart von sehr geringem Einflüsse auf den Zeitgeist. Ist nun der Materialismus dem Zeitgeiste überhaupt verwandt? Ueber die Phrase von der materiellen Richtung der Gegenwart gehen wir kurz hinweg; es ist an derselben überhaupt nicht viel Wahres, und Richtung ans das Materielle und Materialismus sind auch ganz verschiedene Dinge. Ebensowenig kann der Gedanke, das; der Mensch kein vom Gros des Thierreiches spezifisch verschiedenes Wesen, sondern daß er eine unmittelbare Fortsetzung, ein Abkömmling, des ihm körperlich nächst stehenden Thieres sei, irgendwie in dem heutigen Zeitgeiste liegen. Denn wenn der Ausspruch ״der Vorzug des Menschen vor dein Thiere ist nichtig" schon bei Kohelet auftritt, so ist er dort entweder ein Ergebnis; des Zweifels an der Möglichkeit untrüglicher Erkenntniß, oder Ausdruck der tiefsten Zerknirschung und Demnth; beides liegt den übrigen Anschauungen unsrer Zeit fern wie Ost von West! Das Kennzeichen des Geistes der Gegenwart ist ja offenbar der Stolz des Wissens und der Wissenschaft, das vielfach dünkelhaft austretende Bewußtsein, alles erklärt zu haben, alles erklären zu können. Nichts liegt ihn: daher ferner als Stepsis, Ausgeben der Forschung, und die Idee, daß der Vorzug, des Menschen vor dem Thiere nichtig sei, steht ganz unvermittelt in dem Gedankenbereiche einer Zeit, die von dem Bewußtsein der Meuschenkraft und Menschenwürde so erfüllt ist, wie die heutige. Der Satz: die Extreme berühren sich, drängt sich nur wohl einigen Lesern auf; aber dieser Gemeinplatz erklärt gar nichts, denn es muß in jedein Falle dargethan werden, warum sie in einander überspringen — und das wäre ja eben das, was wir hier suchen. ׳—■ Es ist ferner auch nicht anzunehmen, daß der. Materialismus den Reiz einer neuen Erklärungsweise habe. >) Demokrit; Epikur; die Encyclopädisten.

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