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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 325

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 325 (sequence 2)
Language
German
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und das Judenthum. 328 Daß einzelne Denker mit der Religion gebrochen, ״in ihrem Glaube!: Schiffbruch gelitten" haben, ist unter Juden und Christen nicht neu, kommt hier aber auch nicht in Betracht, da mir überall nur das in: Auge haben, rvas das Volk, den denkenden Theil der Laienwelt, bewegt. Dann aber ist es zunächst eine höchst befrentdende, durchaus erklärungsbedürstige Erscheinung, daß wir in diesen Kreisen die antireligiöse Richtung, speciell: den Materialismus, stark vertreten finden. Es ist ja ein, kann! von den extreinsten Gegnern bestrittener Satz, daß die Gottesidee, die Gottesverehrung, das Gefühl der Abhängigkeit, oder wie man immer die Religion definiren!nag — daß die Religion bei allen Völkern, zu allen Zeiten, vorhanden gewesen, daß sie ein Bedürfniß des inenschlichen Geistes sei, ein Postulat unseres Denkens, eine eingeborene Idee, oder ivie man die Sache sonst philosophisch oder psychologisch begründen will. Es gehört ebensowenig zu unserer Aufgabe, diesen Satz hier zu untersuchen, als den Materialismus zu bekämpfen, wohl aber werden wir darthun, wie die Verbreitung der materialistischen Anschauungen sich erklären läßt. Wir!missen uns erlauben, den Umweg eines indirekten Beweises einznschlagen. Der Gedanke, daß der Mensch keinen ״Geist" besitze, und daß att' unser Denken, Fühlen und Wollen nur aus physikalischen und chemischen Prozessen hervorgehe, steht -mit allen menschlichen Denken, wie dieses sich in dem untrüglichsten und faßlichsten Produkte desselben, der Sprache aller Völker, darstellt, in offenbarstem Widerffpruch. Er konnte daher wohl einzelne Denker beschäftigen und von ihnen adoptirt werden. Als philosophisches System, neben und nach anderen, hat der Materialismus seine Berechtigung; aber er ist als System ohne Einfluß auf den Volksgeist geblieben; nur der daraus abgeleitete Sensualismus, sowie der Epikuräismus, als praktische Lebensansicht (wie er ja auch gewöhnlich aufgefaßt wird) hat zahlreiche Anhänger gefunden. Es hat sicherlich und natürlich nie an Epitüräern, feineren und derberen Schlages, gefehlt; aber das hat nichts mit theoretischer Verläugnung von Gott und Seele zu thun. Wir erinnern nur im Vorbeigehen daran, daß. ein immerhin beachtenswerthes Schristchen vor 25 Jahren den Eudämonismus, also eine verwandte Species, als Prinzip und Zweck des Judenthums aufznstellen versuchte. Der Materialismus, als

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