Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Asyle der Griechen und Römer, verglichen mit der Zufluchtstätte des pentateuchischen Gesetzes
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 5)
- Language
- German
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der Zufluchtsstätte des pentateuchischen Gesetzes. 311 nur nicht an Mittel zum Unterhalte gebrach. Aus ältester Zeit sind als solche Asyle bekannt: das Heiligthnm der Athene zu Tegea, das Heiligthum der Ganymede zu Phlius, die Burg des Kadmos zu Theben u. m. a. Einen Unterschied zwischen dem schuldigen und unschuldigen Flüchtling kannten die Asyle der Griechen nicht. Dem vorsätzlichen Mörder und Hochverräther gewährten sie denselben Schutz, wie dem schuldlos Verfolgten. Als Pausanias des H ochverraths überführt, von den Behörden Sparta's znm Tode verurtheilt werden sollte, flüchtete er sich schuldbewußt und der Strafe gewärtig, in den Tempel der Athene Chalkioikos. Man wagte nicht, ihn aus dem Tempel zu reißen. Man deckte das Dach des Tempels ab, um ihm den Schutz vor Regen und Unwetter zu rauben, man vermauerte die Thüren, daß er dem Hungertode Preis gegeben wurde. Nichtsdestoweniger zürnte die Gottheit und befahl die Verletzung ihres Heiligthums zu sühnen. Manche Asyle waren für eine bestimmte Klasse von Bedrängten privilegirt, so z. B. der Tenrpel der Artemis zu Ephesos für zahlungsunfähige Schuldner. Am zahlreichsten waren die Asyle in Kleinasien vertreten. Auf der kurzen Strecke von Süd- Mysien bis Ober-Karien waren sieben Asyle, unter denen Samos, Ephesos, Magnesia und Smyrna die berühmtesten waren. Die Cyprier besaßen drei Tempel mit ausgedehntem Asylrecht, der paphischen und amathnsischen Venus und dem salaminischen Jupiter geweiht. Mit dem Namen ״Asyl" bezeichneten die Griechen auch die persönliche Freiheit, welche bei religiösen und nationalen Festen allen Pilgern und Festtheilnehmern zugesichert war. Es war dies ein Gottesfriede, der nicht bloß allen Feindseligkeiten während der Festzeit Einhalt that, sondern auch die ganze Provinz, in welcher die nationalen Spiele gehalten wurden, dem göttlichen Schutze anvertrante. Die olympischen Spiele waren es insbesondere, welche diesen Gottesfrieden im weitesten Sinne gewährten, und als ein von den Göttern Gehaßter, als ein Fluchbeladener wurde Derjenige angesehen, der während derselben diesen Gottessrieden zu verletzen wagte. Den Namen ״Asyl" gaben die Griechen auch den hochverdienten Männern, und garantirten Sicherheit der Person und des .Eigenthums den Gesandten und Herolden.