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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 7 · p. Seite 310

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 7
Article
Die Asyle der Griechen und Römer, verglichen mit der Zufluchtstätte des pentateuchischen Gesetzes
Date
1869-01-01
Page
Seite 310 (sequence 4)
Language
German
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810 Die Asyle der Griechen und Römer verglichen mit bewog nicht nur die Staaten, sondern auch Einzelne ihre Kostbarkeilen und Schätze dem Tempel zur Aufbewahrung zu geben, und selbst in den erbitterten Kämpfen, welche den Boden Griechenlands so oft mit Blut gefärbt, selbst in den rohesten Ausbrüchen der Gewalt, au denen die Geschichte Griechenlands so reich ist, wurde das Heiligthum nicht angetastet, was dem Heiligthum anvertranet wurde, nicht berührt. (Siehe Thukydides über den peleponesischen Krieg IV, 97.) Bekannt sind die unermesslichen Schätze, welche in Delphi und im Tempel auf Delos aufgehäuft lagen. Diese Achtung vor den dem Tempel anvertraueten Schätzen bekundeten die Griechen, so lange ihr religiöser Sinn nicht zur leeren Form herabgesunken war, auch den Heiligthümern der Barbaren gegenüber. Von den Athenern wird berichtet, daß, als sie im sicilischen Kriege Syrakus erobert, sie den Tempel des Zeus, wie auch die reichen Schätze, welche daselbst aufbewahret waren, nicht anzutasten gewagt haben. Aus dem gleichen Grunde der Unverletzlichkeit galten auch die Schutzbedürftigen jeder Art, die sich als Flehende zu einen! Tempel, zu einem Altäre oder zu einem Cultbilde flüchteten, als unverletzlich, und es hieß an der Gottheit gefrevelt, dieselben gleichsam aus dem schützenden Bereiche, aus den schützenden Armen der Gottheit hinwegzureißen. Der Sklave, der vor den Miß- Handlungen seines Gebieters entfloh, der Besiegte, welcher dem traurigenLoose des Unterliegenden entrinn en wollte, der Angeklagte, der eine Verurtheilung fürchtete, ja der Mörder und Hochverräther, die zum Tode verurtheilt worden, waren mit dem Augenblicke geborgen, wo es ihnen gelang, den Tempel zu erreichen, den Altar als Flehende zu umschlingen. Sie waren unter den Fittigen der Gottheit, und hatten sie auch das schwerste Vergehen geübt, sie waren geschützt. Aber nichts desto weniger, obgleich jedes Heiligthum seine Unverletzlichkeit auch auf den übertrug, der in ihm Schutz suchte, gab es doch Heiligthümer, die diesen Schutz in einem ausgedehnteren Maße gewährten. Dieß waren die eigentlichen Asyle, deren Umkreis schon als unverletzlich galt, welche oft die ganze Stadt, in der der Tempel sich befand, zum Asyle machten. Dorthin flüchteten Alle, welche den Arm der Gerechtigkeit zu fürchten Grund hatten, dort durften sie bleiben Zeit ihres Lebens, wenn es ihnen

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