Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Auszug aus Babylonien und der Dualismus in der Oberleitung des nachexilischen Gemeinwesens in Judäa
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 18)
- Language
- German
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806 Der Auszug aus Babylonien und will ihn versöhnen: ״Wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder gar zusammenwohnen" Man braucht sich nur daran zu erinnern, daß der Prophet Zacharia, indem er dem Hohenpriester Jesua die Krone verhieß, hinzuzufügen für nochwendig hielt, daß ein Rath des Friedens zwischen Beiden bestehen soll" (o. S. 292). Auch dieser Psalm ermahnt die ״Brüder", die Gleichberechtigten, zur Eintracht, zum friedlichen Beisammemvohnen. Zwei liebliche Bilder wollen dieses einträchtige Berhältuiß und zwar der freiwilligen Unterordnung des Einen unter den Andern veranschaulichen. Das heilige Salböl theilt sich von selbst dem Barte Ahrons mit, der Thau vom Hermon fließt auch auf die Gebirge Zions — so würde der Glanz des einen Ober- Hauptes auch dem Andern zu Gute kommen, wenn er auch niedriger erscheint, wie der Bart gegen das Haupt, die Berge Zions gegen den himmelanragenden Antilibanon. Ich glaube, daß durch diesen Hintergrund der Psalm durchsichtiger wird. Wer von den Beiden soll übergeordnet und wer untergeordnet sein? Dieses Verhältniß ist künstlerisch versteckt. Doch scheint der Zug vom Barte Ahrons darauf anzuspielen, daß der Ahronide die zweite Stellung einnehmen soll. Individuell gehalten sind auch die beiden Stufenpsalmeu (130, 131). In dem Erstern bekennt der Psalmist, ehe er sich in Gebet zu Gott wendet, daß er ein Sünder sei, aber Verzeihung hoffe, und in dem Letztern, daß er gar nicht hochnrüthig sei (wie die Leute oder die Gegner von ihm behaupten), er habe keinen Ehrgeiz, sondern habe seine Seele gesänftigt ״wie das Brustkind an der Mutter." Auch diese Psalmen ließen sich auf eines der beiden Oberhäupter beziehen. Allein der Conjecturen dürften schon zu viele sein; darum überlasse ich dem Leser die Ansführung. So viel dürfte als gewiß anzusehen sein, daß, ehe Zernbabel sich vom Schauplatze zurückgezogen hat, ehe die Ansprüche des Hauses David aufgegeben wurden, Kämpfe vorangegangen sind, daß sich im Volke zwei Parteien gebildet hatten, die Eine