Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Auszug aus Babylonien und der Dualismus in der Oberleitung des nachexilischen Gemeinwesens in Judäa
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
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298 Der Auszug aus Babylonien Krone trägt, denken. Die Demüthigungen des Hauses David, welche der Psalm so grell schildert, gingen den Dichter näher an, er litt selbst darunter. Geht man von diesem Gesichtspunkte aus, daß ein Dichter von davidischer Abkunft in diesem Psalm seine Klagen über die selbsterfahrene Demüthigung und Erniedrigung vor Gott, oder vielmehr vor einem Publikum, ausschüttet, so erhält der Psalm zugleich logischen und poetischen Zusammenhang. Ols- Hausen hat richtig den antithetischen Charakter desselben erkarmt und auseinander gesetzt (Psalmen S. 359). Doch wenn dieser feinfühlige Ausleger bemerkt: ״In künstlerischer Hinsicht wird die Wendung, die der Dichter nimmt, schwerlich Lob verdienen," so hoffe ich durch Fixirung des rechten Gesichtspunktes die künstlerische Anlage desselben zu beweisen. Was heißt künstlerisch an einem lyrischen Gedichte? Wenn der Dichter im Stande ist, die Stimmung, die ihn bewegt, durch die verschiedensten und überraschenden Wendungen den Zuhörern mitzutheilen, wenn das Gedicht den Hauptgedanken von verschiedenen Seiten beleuchtet, eine Gliederung enthält und nicht in Tautologien verfällt, wenn es Uebergänge hat und sie leicht ohne Sprünge auf einander folgen läßt, und endlich wenn es nicht Ungehöriges mit einmischt. Alle diese positiven und negativen Merkmale besitzt unser Psalm in vollem Maße. Sein Hauptthema ist, daß Gottes Gnade und Treue sich überall bewähren, im Hirnmel und auf Erden; seine Zusagen und Verheißungen zeigen sich, erfüllen sich überall, und nur am Hause Davids, dein er die bündigsten Verheißungen gemacht hat, scheinen sie sich nicht zu erfüllen. Aber der Dichter ist von unerschütterlichem Vertrauen erfüllt, daß Gott sein Wort für die ewige Dauer dieses Hauses nicht brechen werde; Er braucht nur daran erinnert zu werden. Darum wird Gottes Treue und die Unverbrüchlichkeit seines Wortes in so verschiedenen Variationen betont. Der Psalm zerfällt in drei großen Strophen: Eingang,