Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 3)
- Language
- German
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Rabbi Israel Jsserlein. 271 Vom Monat Elnl an bis nach dem Versöhnungstage pflegte Jsserl. das Varuo11-8obsLwrrr-Gebet singend vorzutragen rmd dafür säst eine ganze Stunde zu verwenden?) Seine Jünger verließen, deshalb in den Selichottagen die Synagoge bereits vor dem Lesen des ScKma, worüber sie Jsserl. zur Rede stellte (L. I. S. 12). An jedem anderen Morgen trug ein alter Mann diese Psalmen vor, aber sehr incorrect, so z. B. ברייך בנייך statt ברך בנייך. Jsaac Levy machte Jsserl. hierauf aufmerksam; allein dieser wollte nicht, daß dem Manne cörrigirt werde, weil er sonst seine Function als Vorbeter aufgeben möchte und ein Anderer nicht da sei, der diese Gebete vortragen würde. Jsserl. tadelte die Gebete, in denen die Engel angerufen werden, indem er seinen Schülern erzählte, daß einst Josef Zuckmantel am Versöhnungstage in einer Gemeinde war, in der man im Mincha-Gebet den Pismon מלאכי רחמים recitirte, wozu er mißbilligend bemerkte ״den ganzen Tag stehen wir vor Gott; jetzt treten wir mit einem Male vor die Engel hin." Jsserl. trat mit aller Entschiedenheit für die Freiheit der Lehre ein; so stellte er sich, wie bereits erwähnt, auf die Seite der 2 Talmudjünger, welche eine Lehrstätte neben der des Meisterlin begründen wollten und worüber dieser sich beschwerte. Jsserl. billigte den Plan der 2 Gelehrten, sich vorzüglich mit dem Quellenstudium befassen zu wollen, ermahnte sie jedoch, von Ausübung irgend einer rabbinischen Function sich fern zu halten. (Resp. I. Weil n. 161 und I. Bruna n. 227.) In gleichem Sinne entschied er sich für Israel Bruna, als dieser in Regensburg eine Hochschule begründen wollte, der bereits dort unfähige und lehrende Anschel aber dagegen protestirts. Hierüber Näheres in den Resp. Jsserl. n. 226, I. Weil's a. 151 und I. Bruna's n. 253. — Auch die Autonomie der Gemeinden wahrte Jsserl. mit aller Festigkeit, wie z. B. in dem Proteste der rheinischen Gemeinden gegen die anmaßenden Uebergrisfe des Rabbiners Seligmann zu Bingen, worüber Näheres nach den Quellen von Graetz in der Geschichte, Band 8, S. 221 und 435 Zusammengestellt ist. Jsserl. war fern von jedem eigennützigen Streben, er wollte nie in eigener Angelegenheit eine Entscheidung treffen und rügte mit aller Entauf das Gebot hmgedeutet, beim Richten einer Ehebrecherin den geschriebeneu Gottesnamen durch Wasser zu verlöschen. Um nicht mit dem Worte אף zu beginnen, soll man dem Vorgänge des Rab. Tam lesen ארח משפטך .אף קויכרך י) Ähnliches bei Zunz, Riten S. 70.