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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 6 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 6
Article
Aphorismen von Gabriel Riesser über Rabbiner- und Synodal-Versammlungen
Date
1869-01-01
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 Aphorismen von Gabriel Rießer Segensformeln und Gebeten, als ein lebendiges Ganzes in seiner vollen Wirksamkeit auf innig religiöse Gemüther betrachtet haben, um es zu begreifen: auf solche Gemüther, die auch bei hoher Bildung und Hellen freien Religionsbegriffen darin leben wie in einer warmen Atmosphäre des Glaubens und der Andacht, die die Seele um sich her geschaffen, der sie Geist und Liebe eingehaucht, um sie von ihr zuriick zu empfangen, von der sie in jeder Empfindung, jeder Thätigkeit des Lebens begleitet wird, in die sie sich hüllt, um vor dem erkältenden Einfluß der Lebenssorgen und der Lebenslüste geschirmt zu sein... Wem bei jenen schwach entworfenen Zügen auch nur ein verehrtes, erhabenes, heiliges Bild, wie dem Verfasser dieser Zeilen vor Augen schwebt, der wird seine Entrüstung über jene engherzige, stumpfsinnige Auffassung des äußeren Lebens einer Religion theilen. Er wird dämm freilich nicht minder das Aeußere von dem Innern, das Vergängliche von dem Unvergänglichen zu trennen wissen; er wird Formen, die nur in fteier, leichter, ununterbrochener Gewöhnung Werth haben, nicht gewaltsam festgehalten wissen wollen, wo sie sich auflösen; er wird es der Seele der Religion zutrauen, daß sie an der Stelle des Gewandes, das die Zeit ihr vielleicht zerstört, nachdem es sie Jahrtausende hindurch umhüllt, sich ein noch dauerhafteres, geistigeres und dämm keiner Zerstörung durch die Zeit ausgesetztes zu schaffen im Stande sein würde. Aber ec wird selbst für die Formen, die er im Untergang begriffen glaubt, Ehrerbietung empfinden; er wird, voll von Verehmng für die unsterbliche Seele der Religion, auch ihrer irdischen Hülle fromm die letzte Ehre erweisen, und sie nicht feindseligem Hohne ungerecht preisgeben. Er wird fühlen, daß wir erst dann uns über jene Formen erhaben dünken können, wenn es außer allem Zweifel gesetzt ist, daß die ihnen entzogene Verehrung nicht dazu gedient hat, die große Summe des menschlichen Egoismus zu vermehren, sondern daß sie einer reineren, weniger an Formen haftenden, aber nicht minder innigen, nicht minder lebendigen, nicht minder alle Gedanken und Empfindungen durchdringenden und läuternden Religiosität Platz gemacht hat. ..... . Glaubt Ihr, daß die vielen Verständigen, die

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