Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aphorismen von Gabriel Riesser über Rabbiner- und Synodal-Versammlungen
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
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fikt Rabbiner- und Synodal-Versainmlungen. 259 seres Jahrhunderts voNommen losreißen und uns um drei Jahrhunderte zurückversetzen würde; das, wie jedes Beginnen, welches in dem Boden seiner Zeit nicht wurzelt, in seinen Resultaten nichtig, ohne Zukunft, wie ohne Leben und ohne Vorgangenheit wäre; dessen Erzeugniß ein ohnmächtiges Zwittergeschöpft weder den Glauben noch den Verstand befriedigen, weder die Autorität des Alters, noch die Kraft und Frische der Jugend für sich haben, weder der individuellen Freiheit eine Schranke, noch der bestehenden kirchlichen Einrichtung eine Bürgschaft sein würde. (Das. II, 271). HL So lange die individuelle Freiheit, freiwillig oder gezwungen, sich unter das Joch eines herrschenden Systems, während es unverändert besteht, beugt, so lange mag sie auch befugt sein, wie sie genöthigt ist, auf eine bestimmte Reform hinzuwirken, und darum werden sich unter diesen Umständen auch alle Kräfte von selbst in dem Streben nach diesem Ziele vereinigen. Wo aber die individuelle Ueberzeugung im Glauben und im ceremonialen Leben, das der Ausdruck des Glaubens ist, sich einen eignen Weg gebahnt, wie es in unseren Tagen auf die eine oder die andere Weise innerhalb aller Konfessionen der Fall ist, da hat sie mit der Nothwendigkeit, über die sie sich hinausgesetzt, auch des Anspruchs auf die Einwirkung einer bestimmten Reform, sie hat sich, indem sie das Princip der Majorität in Glaubenssachen mit vollem Rechte stillschweigend verwarf, auch ihres Stimmrechts zu einem Beschlüsse der Majorität begeben; und aus diesenr Grunde eben ist die Herbeiführung einer förmlichen Reform in unseren Tagen viel schwieriger, als im sechszehnten Jahrhundert. Eine Ausnahme macht hier die Einrichtung des gemeinsamen Gottesdienstes; denn in diesem Punkte ist ein Aneinanderhalteu nothwendig, das Verfolgen eines eigenen Weges in diesem Punkte dem Einzelnen unmöglich; darauf allein dürfte demnach, wie gesagt, das Streben nach Reform gerichtet sein. Es ist sehr zu beachten, daß Alle, die mit wahrer Liebe zur Religion und zu ihren Vekennern aus unserer 17*