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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 5 · p. Seite 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 5
Article
Rabbi Israel Isserlein
Date
1869-01-01
Page
Seite 230 (sequence 7)
Language
German
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230 Rabbi Israel Jsserlein. oder mindestens ihnen bei dieser Gelegenheit Hab und Gut raubten, wollte Jsserl. doch nicht gestatten, im geschäftlichen Verkehr mit Nichtjuden betrügerisch umzugehen *) oder Christen im Betrüge gegen Christen forderlich zu sein lL. I.). Indem wir noch Gelegenheit finden werden, im Verlaufe unserer Darstellung Jsserl. in seinen Entscheidungen näher kennen zu lernen, wollen wir jetzt versuchen, Einiges aus seiner Art und Weise mitzutheilen. Seine Lebensweise verrieth häufig eine Geneigtheit zur ascetischen Richtung;*) die Jünger wußten häufig keinen Grund dafür, warum Jsserl. Manches so und nicht anders mache. Jsaac Levy bemerkte dagegen, es geschähe von Jsserl. Nichts ohne besondere Absicht. Wenn er krank war, pflegte er seine Wohnnng zu ändern oder sein Bett an eine andere Stelle zu bringen, ohne daß die Schüler den richtigen Grund hiefür anzugeben vermochten. Einer seiner Schüler vermuthete, Jsserl. thue dies aus innerem Drange, um in dieser Weise eine Art von Bußübungen sich aufzulegen. In manchen Dingen zeigte er eine übertriebene Scrupulosität. So mußte außer dem Lichte, bei dem er studirte, noch ein anderes brennen, damit die Bachurim ihre profanen Beschäftigungen nicht bei seinem Lichte verrichten sollten. Auch wollte er nicht gestatten, daß man die Bücher aus die Bänke lege, auf denen man gewöhnlich sitzt; es mußte zuvörderst noch eine niedrige Bank aus die Sitzbank gestellt und erst auf diese durften die Folianten gelegt werden. Er gestattete nicht, die Fenster mit Papier zu bekleben, auf welchem jüdisch Geschriebenes sich fand und mar es auch ganz profanen Inhalts, wie z. B. der eines freundschaftlichen Briefes. Einen Papierstreifen, aus dem einer seiner Jünger eine Hirschfigur zugeschnitten und mit dem er das Fenster verklebt hatte, ließ Jsserl. wieder abnehmen. Doch nahm er keinen Anstand, in seinem Siegel einen Löwenkopf zu führen, dessen Figur am Rande des L. I. Zierlich verzeichnet ist. — Am Tage nach einem Feste frühstückte er nicht früher, bis er die Spenden für die vorangegangene Gedächtnißfeier an den Vorsteher abgeführt hatte; was er aber bei der Zahlung für erstandene Mizwoth nicht beachtete. Er litt häufig, wie bereits erwähnt, an Gicht (so überseht der Verf. des L. I. das Wort פותרא); als er einmal im Vortrag des Talmud-Tractats Sanhedrin an der Stelle war, in *)Wei dieser Gelegenheit möchten wir auf die herrlichen Worte des Rambam im Mischna-Commentar zu Kelim c. 12 m. 5 Hinweisen. aJ Kein Wunder daher, wenn ihn Asulai als einen praktischen Kabbalisten bezeichnet.

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