Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 5)
- Language
- German
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228 Rabbi Israel Jfserlein. talmudischen Ausspruches ״das Erlaubte lassen sie liegen und greisen nach dem Verbotenen" anzusehen seien, ihnen also auch Geld auf Zins geliehen werden dürfe. Daher gestattete er auch dem Liva aus Passau, der das Gelübde gethan hatte, nie mit einem Juden zu spielen, mit einem solchen Apostaten in Neustadt Karten spielen zu dürfen.') Wol gelte bei einem Solchen der Grundsatz an אע״ם שחטא ישראל, doch werde er nicht ferner ״Jude" genannt (Resp. bei I. Bruna n. 135). Mit Bezug auf jenen Grundsatz verbot er auch (L. I. S. 41), daß ein Apostat für jüdische Damen am Sabbat zu ihrem Tanze die Laute schlage. Dagegen gestattete er ein anderes Sabbatvergnügen, nämlich nach beendigtem Gottesdienste ein Ruhe- Plätzchen, häufig auf Bauholz, ausznsuchen, und dort im gemeinsamen Kreise zu politisiren, d. h. sich Neuigkeiten von den Potentaten und deren blutigem Handwerk zu erzählen (?68. n. 155, Ter. had. n. 61 und L. I.). Ein charakteristisches Zeichen jener Zeit ist die Anfrage I. Bruna's (s. dessen Resp. n. 24 und?68. n. 192), wie es mit dem Gelübde eines Mannes zu halten sei, dessen Lippen die Worte entfahren ״er wolle sich eher taufen, als daß seine Schwieger in sein Haus gehen soll." Jsserl. entschied, daß aus den dort näher entwickelten Gründen einem solchen Gelübde jede Verbindlichkeit abgehe und nicht einmal einer Auflösung durch ein Drei-Männer-Collegium bedürfe. — Ferner: Vor einem weltlichen Herrn, der ein Ordenskreuz trägt oder vor einem hochgestellten Geistlichen sich zu verbeugen und die Kopfbedeckung abzunehmen, sollte man möglichst vermeiden, um nicht den Schein auf sich zu laden, daß man sich vor dem Kreuze verbeuge. Bei dieser Gelegenheit (Ter. had. n. 196) theilt Jsserl. aus seiner Jugendzeit mit, daß einmal ein Ordensgeistlicher aus Preußen nach Wien gekommen fei,* 2) der, so oft die Juden vor ihm geschäftlich erschienen, er so viele Rücksicht genommen, den Mantel, an dem das Kreuz befestigt war, umzuschlagen, damit ihm die Juden die erforderlichen Ehrenbezeigungen ungeschmälert erweisen könnten. Jsserl. selbst war der Ansicht, (auch bereits von I. Weil in dessen miohoth n. 28 ausgesprochen), daß ') In jener Zeit hielten selbst fromme Männer sich nicht zurück, Karten zu spielen. Mehreres hierüber, wie über das gesellige Leben der Juden im Mittelalter überhaupt hoffe): wir bei einer anderen Gelegenheit mitzutheilen. 2) Wahrscheinlich war dies im Jahre 1410, wo Sigismund versuchte, einen Frieden zwischen dem deutschen Orden in Preußen und dem Könige von Polen zu vermitteln, und wol bei dieser Gelegenheit deutsche Ordens- Herren nach Wien kamen.