Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 4)
- Language
- German
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Rabbi Israel Jsserlein. 227 auch gesprochen, seien die Anderen immer noch zum Streite geneigt. Ebenso drückt er sich in dem in der Resp.-Sammlung des Israel Bruna Blatt 16 enthaltenen Bescheide aus, ernstlich sich vorgenommen zu haben, für eine längere Zeit mit der Schlichtung von Streitigkeiten sich nicht zu befassen. Für solche Fälle, in denen es sich um Differenzen in Geldsachen handelte, hielt er sich nicht für competent, traf auch nicht gerne eine Entscheidung auf eine bloße Anfrage hin, forderte vielmehr die persönliche Anwesenheit beider Parteien oder die schriftlich ausgedrückten Gründe und Gegengründe derselben. Vgl.?68. n. 62, 75, 173, 267. In seinen Entscheidungen legte er nicht selten nach dem Vorgänge Schalom's, großes Gewicht auf das Sefer Chasidim und ähnliche Werke (?68. n, 131 und 241). Doch neigte sich Jsserl. manchmal auf die erleichternde Seite, besonders ist dies wahrzunehmen, wo es galt, Gründe aufzufinden, um einer Frau, deren Mann auf dem Wege tobt oder erschlagen gefunden wurde und wo daher sorgfältig nach der Identität desselben geforscht werden mußte, die Wiederverheirathung gestatten zu können. In jenen rohen Zeiten, wo das Leben eines Juden für vogelfrei galt, wo der Satz ״Juden sind nur Dinge, keine Personen" seine Geltung hatte, trifft man die Behandlung solcher Fragen als eine ständige in allen Responsen-Sammlungen des Mittelalters. Auch vor Jsserl. Forum wurden solche Fälle gebracht, und er wollte einmal Anstand nehmen, eine Entscheidung in solcher Angelegenheit zu treffen (?68. n. 223), weil er befürchtete, als ein ״leichtfertig erlaubender Richter" verschrie'n zu werden. So schreibt er an I. Bruna (s. dessen Responsen n. 38), ״ich habe oft die Erfahrung gemacht, daß man in Deiner Stadt vielfach zu erschweren sucht; ich wünschte, es geschähe aus lauter Frömmigkeit, ich befürchte aber, es geschieht aus Gelehrtenneid, der den Ausspruch des Andern nicht aufkommen lasten möchte." Jsserl. war auch kein Freund von Strafen und Strenge; er erblickte kein Heil darin, da sonst die ohnedies schon so frechen Uebertreter ganz und gar das Joch abwerfen würden (s. sein Resp. bei I. Bruna n. 58). In gleichem Sinne entschied er auch (Ter. had. n. 198), daß einem zum Judenthume bußfertig Zurückkehrenden der Schritt erleichtert, nicht aber durch zu harte, strenge Buße erschwert werden solle. Dem Rücktretenden sei anzurechnen, daß er selbst fortwährend Buße fich auferlege mit dem, daß er sich freiwillig losgesagt habe von allen den Bequemlichkeiten und Genüssen, die ihm als Christ gestattet waren, ferner daß er freiwillig sich in's Exil begeben habe, unter dem die Juden so viele Leiden zu bestehen haben. Dagegen erklärte er, daß die Apostaten seiner Zeit als solche, die im Sinne jenes 15*