Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 3)
- Language
- German
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226 Rabbi Israel Jfferlein. den Jnjurirten um Verzeihung zu bitten und die Kurkosten nach dem Mittelsatze, mit 2 Gulden, aus den dort näher entwickelten Gründen aber zum Besten der Synagoge, und nicht an den Beschädigten, zu zahlen (Pe8. n. 210). Des Talmud gelehrten David Frank in Nürnberg muß sich Jsserl. annehmen gegen die Verfolgungen eines reichen einflußreichen Mannes, der auch den Kanzler der Stadt, Meister Martin, gegen Frank aufzustacheln gesucht hatte (Pes. n. 174—176). Moses aus Halle hatte eine Ehescheidung rituell vorgenommen und den betreffenden Scheidebrief nach der Mark gesandt, damit er dort der Frau übergeben werde. Nach einiger Zeit fand es sich, daß in dem Datum des Scheidebriefes das Jahrhundert nicht angegeben war, indem statt 5217 darin 5017 geschrieben war. Die Angelegenheit machte zur Zeit viel Redens; Moses wurde von vielen Seiten angegriffen, und wandte sich in seiner Noth an Jfferl. Dieser schreibt ihm (Pes. n. 11), wiewol es in der Fastenzeit des Tischri-Monats ist, widerlegt seine Gründe, mit denen Moses die Gültigkeit des Scheidebriefes aufrechthalten will, und beruhigt ihn mit den Worten: ״Freund, beschwere Dein Herz nicht mit dem Gedanken, daß Du nun im Munde des gewöhnlichen Volkes zum Gespötte dienen wirst. Wer irgendwie nur Verstand und Einsicht hat, wird Dir den Jrrthum nicht anrechnen und Dich nicht geringer achten. War es doch nicht ein Jrrthum des Verstandes, vielmehr irgend eines Zufalls, daß durch Dich im Vereine mit den Collegen der Schreibfehler übersehen worden. Hätte ich Dir auch beigepflichtet und die Scheidung für gültig erklärt, Du wärest immerhin dem Gerede der Menge, daß Du nicht gehörig aufmerksam warst, nicht entgangen." Selten wurde Jsserl. unwillig, beschied gerne einen Jeden, der bei ihm Belehrung nachsuchte, selbst wenn er leidend war (er litt an der Gicht — L. I. S. 71b. und Pes. n. 168 — und an den Augen) und seinen Bescheid dictiren mußte (s. Pes. n. 124 und Resp. I. Bruna's, Blatt 16); wiewol nicht selten Fragen an ihn gestellt wurden, die einer Antwort weniger werth waren. So z. B. Pes. n. 184, wo er sich über die unwesentlichen Fragen und סברת הכרם des SSreibers ausspricht, ebenso in n. 59, auch n. 102, wo Jfferl. phantastische Fragen vorgelegt wurden, ob Jemand die Frau des Propheten Elia oder des R. Joschua ben Levy hätte heirathen dürfen. Nur einmal sprach er in bitterem Tone (?68. n. 135 und 137), künftig sich um die Händel Anderer nicht kümmern zu wollen, da es ihm doch nicht gelinge, die Streitigkeiten durch seinen Ausspruch beizulegen. Cr sei wol friedlich gesinnt, ruft er mit den Worten des Psalmisten aus, und wenn er