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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 5 · p. Seite 219

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 5
Article
Ein französischer Socialist über die Bedeutung des Messianismus
Date
1869-01-01
Page
Seite 219 (sequence 10)
Language
German
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über die Bedeutung des Messianismus. 219 Erzeuger des Christenthums betrachtet, einen lebendigen Factor in der Entwickelung der religiösen Idee vermag er in ihm nicht zu erblicken. Das heutige Judenthunr kennt er nur in jenen beiden Richtungen, von denen die eine darauf ausgeht, alle nationalen Eigenthümlichkeiten zu verwischen, um sich desto leichter mit anderen Stämmen amalgamiren zu können, und einem überwundenen Rationalismus huldigt, die andere jeder heilsamen Einwirkung von Außen sich hartnäckig verschließt. Huet kennt ein conservatives Judenthum nicht, das bei nachdrücklicher Betonung unserer nationalen und religiösen Traditionen dennoch auf der Höhe seiner Zeit steht und an allen Culturinteressen den lebhaftesten Antheil nimmt, er kennt jene Richtung nicht, die seineu eigenen Anschauungen gemäß so recht geeignet wäre, die Erbschaft der alten Propheten unter modernen Verhältnissen anzutreten und für deren Verbreitung Sorge zu tragen. Schuld daran trägt seine Unkenntniß deutscher Verhältnisse, sonst würde er das nationale Judenthum nicht mit jenen zurückgebliebenen Vertretern der alten Orthodoxie in Frankreich identistcirt haben, denen jeder kritisch-wissenschaftliche Sinn abgeht, er würde sonst auch nicht das moderne und aufgeklärte Judenthum bei jenen Nachzüglern eines farblosen und abgestandenen Rationalismus gesucht haben. Nur so ist es zu erklären, wenn er das Wiederaufleben des Messianismus als einziges Ziel unserer Weltent- Wickelung ansieht und trotzdem das Judenthunr als mitwirkenden Factor vollständig außer Acht läßt. Und wie soll dieses Versahren gar mit folgendem Passus in Einklang gebracht werden, der das diametrale Gegentheil erwarten läßt? Herr Huet sagt nämlich: ״In Folge seines socialen, durch und durch demokratischen Geistes, ist das Judenthunr schon jetzt die modernste aller Neligionen, am Meisten in Uebereinstinrmung mit unserer heutigen Civilisation und Gesellschaft. Es ist nahe daran, eine humanitäre Religion ohne Wunder und ohne Priesterschaft zu sein. Es ist fast schon die reirr philosophische, moderne Weltanschauung, und es wird sich in kürzester Zeit mit ihr identificiren." Wir glauben hiermit genügend gezeigt zu haben, wie Herrn Huet selbst sein freier und vorurtheilslofer Standpunkt davor nicht schützt, sich in Widersprüche zrr verwickeln, die ihre genügende Erklärung nur darin finden, daß er sich von der einseitigen

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