Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein französischer Socialist über die Bedeutung des Messianismus
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 8)
- Language
- German
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über die Bedeutung des Messianismus. 217 Das Capitel, in welchem Huet diese Weitdtmg des Urchristenthunrs beschreibt, welche durch Paulus eingeführt und vom Johannesevangeliuin vollendet wird, durch die der ursprüngliche Messianismus verdrängt und die Logosidee an seine Stelle gesetzt wird, gehört zu den glänzendsten Partieen des interessanten Werkes. ״Frühere Kritiker, sagt der Uebersetzen, haben schon die historische Unechtheit des vierten Evangeliums constatirt; Huet hat zuerst bewiesen, daß es eine Gegengeschichte ist, d. h. daß es absichtlich eine andere Geschichte der wirklichen entgegensetzt." Huet zeigt in schlagender Weise, wie der Verfasser jenes Evairgeliums mit vollem Bewußtsein an der evangelischen Geschichte seine Aenderungen vornimmt, wie er mit der tendenziösen Absicht an seine Aufgabe herantritt, durch die er die bisherigen Vorstellungen beseitigen rmd seinen Gottmenschen an die Stelle des Messias treten lassen will. Trotzdem aber weiß Huet dem Jo- Hannesevangelium großen Dank, weil es nur seiner Bernrittelung zuzuschreiben sei, wenn nicht die ganze Erbschaft der Propheten unter den Trümmern Jerusalems begraben worden sei. Wir wollen unsererseits die Gefahr nicht leugnen, welche dem Christenthum in seiner ursprünglichen Gestalt von den heftigen Erschütterungen jener Zeit drohte, und geben gern zu, daß die Aussöhnung mit dem Griechenthume, welche durch das Johannesevangelium dargestellt wird, den Bestand des Christenthums gesichert hat. Der prophetische Gedanke jedoch und die Messiasidee brauchten solche Schutzwehr nicht, sie waren vor Vernichtung geschützt, so lange das Volk bestand, welchem sie ihren Ursprung verdanken. Huet freilich meint an einem andern Orte, der Talmudismus sei die Umhüllung der Messiasidee gewesen, in derselben Weise, wie er es von: Katholicismus behauptet. Nur hat er es vom Katholicismus nachgewiesen, während es vom Talmudismus nur derjenige aussagen kann, welcher nicht die genügende Kenntniß desselben besitzt. Der Talmud selbst vielmehr hat diesen Gedanken im Judenthume genährt und sorgsam gepflegt, und daß die Hoffnung auf eine schönere Zukunft aus jüdischen Kreisen nie geschwunden ist, dafür haben die christlichen Völker selbst gesorgt durch die traurige Gegenwart, die sie den Juden zu allen Zeiten bereiteten. Erst dem modernen Bestreben nach Uniformirung der verschiedenartigsten historischen Gestaltungen war es Vorbehalten,