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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 5 · p. Seite 216

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 5
Article
Ein französischer Socialist über die Bedeutung des Messianismus
Date
1869-01-01
Page
Seite 216 (sequence 7)
Language
German
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216 Ein französischer Socialist christenthnms immer nur deßhalb erleiden mußten, um der Bedeutung Jesu durch den exorbitanten Gegensatz eine um so Hellere Beleuchtung zu verschaffen. Huet sieht sich in-einer Note zu der Erklärung gezwungen, daß die Pharisäer im Evangelium eine viel zu strenge Beurtheilung erfahren haben. Er steht freilich trotzdem nicht an, um seine Parallele Jesu mit Socrates, die nebenbei fast allen Bearbeitern des Lebens Jesu ungeachtet der verschiedenartigsten Auffassung gemein ist, desto glänzender durchzuführen, den Pharisäern den Ehrennamen ״der Sophisten von Jerusalem" zu ertheilen. Wir wollen noch immer nicht daran verzweifeln, daß eine eingehendere Kenntniß der jüdischen Literatur diesen Männern endlich dieselbe Gerechtigkeit wird widerfahren lassen, welche die heutige Wissenschaft den Sophisten gegenüber schon so ziemlich errungen hat. Wie derartige Vorurtheile vor den! Richterftuhle einer unparteiischen Kritik immer mehr und mehr schwinden müssen, dafür zeugt bei unserem Autor die Würdigung des Judenchristenthums, welches von der Tübinger Schule in ungebührlicher Weise herabgesetzt, hier zu ungeschmälerter Anerkennung gelangt. Wer freilich von der Auffassung ausgeht, Jesus habe etwas Nagelneues und bisher Unerhörtes beabsichtigt und daher selbst mit seinem Volke und deffen Traditionen gebrochen, der kann in den Bestrebungen der Ebioniten nur einen Rückfall in die alten Vorurtheile erblicken. Huet jedoch ist sich klar bewußt und hat dessen kein Hehl, daß Jesus nichts Anderes gewollt hat, als was vor ihm schon die Propheten in mächtiger Rede verkündet und muthig angestrebt hatten. Er gesteht, daß Jesus nur ein Fortsetzer jener patriotischen Thätigkeit ist, mit welcher jene ״inspirirten Volkstribunen" eine Reform zu verwirklichen suchten, ״vorbereitet durch Tugend und Heiligkeit, durch den Sieg des Monotheismus über die Abgötterei, und durch Israel, das auserwählte Volk, den geliebten Sohn Gottes, in's Werk gesetzt zum Nutzen der ganzen Welt." Wer solchen Ansichten huldigt, der kann auch nicht umhin, in den Judenchristen die einzig berechtigten Vertreter der von Jesus in's Leben gerufenen Bewegung anzuerkennen, der muß einräumen, daß sie, die am Mejsianismus treu und unerschütterlich festhielten, den Gedanken des Religionsstifters am unverfälschtesten bewahrten, während derselbe mit der Constituirung der Kirche und durch das neue Schriftthum immer mehr schwindet.

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