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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 4 · p. Seite 183

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1869-01-01
Page
Seite 183 (sequence 2)
Language
German
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Recensiönen. 183 für den Versöhnungstag vermuthet. Auch Pseudo-Josephus hat seine Predigt nicht, wie von manchem Gelehrten behauptet wurde, als bloße Dektamationsübung oder als Erbauungslektüre niedergeschrieben, sondern vor einem Synagogenpublikum vorgetragen. Auch Hai Pseudo-Josephus mehr als Eine Predigt gehalten; denn er beruft sich in der einzigen erhaltenen auf seine sonstige Predigtweise, ״er werde sein Thema erörtern, so wie er es gewohnt sei zu thun." Der Nachweis, das; die Schrift des Pseudo-Josephus eine wirklich gehaltene jüdische Predigt sei, erweist sich nun sehr fruchtbar für die Erkenntniß des Ursprunges der christlichen Predigt. Es wird nämlich ״als unbestreitbar entweder laut beansprucht oder stillschweigend vorausgesetzt, daß erst die christliche Kanzelberedsamkeit die kunstmäßig entwickelte Homilie und die formvollendete Predigt" geschaffen habe. ״Aber nicht blos eine Menge glaubwürdiger Nachrichten, sondern noch heute uns erhaltene, in griechischer Sprache abgefaßte jüdische Homilien und Predigten treten als Zeugen für die Thatsache auf, daß lange Zeit vor dem Aufblühen der christlichen Kanzelberedsamkeit die religiösen Vorträge der Juden die elastischen Formen Griechenlands sich zu eigen gemacht haben und ihrerseits nicht ohne Einfluß auf die Entwickelung der christlichen Predigt geblieben sind." (S. 5—6.) Speziell die Predigt des Pseudo-Josephus ist von den ältesten und bedeutendsten Kanzelrednern der christlichen Kirche als Vorbild benutzt und mit größerer oder geringerer Wörtlichkeit abgeschrieben worden. Gregorius von Nazianz empfiehlt sie seinen Zuhörern zur Lecture. Johannes Chrysostomus und Ambrosius excerpiren sie, ohne auf die Quelle, aus der sie schöpfen, hinzüweisen, ähnlich wie die Schriften Philo's von Origenes, Theodoret, Ambrosius und Anderen benutzt wurden. Es liegt demnach eine Nachahmung jüdischer Reden in christlichen Homilien und Predigten thatsächlich und unbestreitbar vor und ״so wird die Behauptung als eine wohlbegründete erscheinen, daß die christliche KanZelberedsamkeit den Schritt von den einfachen Vorträgen der ersten 2 Jahrhunderte zur künstlichen Homilie und zur formvollendeten Predigt nicht ohne Beihülfe der jüdisch-griechischen Beredsamkeit gethan hat." (S. 36). In der Darstellung des religionsphilosophischen Gehalts unserer Schrift (Absch. II) wendet sich der Vers, gegen die bisher übliche Be- Handlung der ״alexandrinischeu Religionsphilosophie," als deren einziger echter Repräsentant Philo galt, während in Wirklichkeit die Ueberbleibsel der jüdisch-hellenischen Literatur ein Bild liefern, das ״von den verschiedensten religiöse;; und philosophischen Meinungen gefärbt ist."

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