Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rabbi Israel Isserlein
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
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Rabbi Israel Jsserlein. 179 In Steyermark lebten damals die Inden unter dem Schutze ihrer Privilegien ruhig und sicher;') selbst zur Zeit der großen Judenverfolgung im Jahre 1336, welche sich auf verschiedene Gegenden in Oestreich, Vaiern, Karnthen und am Nheine erstreckte, wie im Namen alter Chronisten erzählt wird, blieben die Juden Steyermarks verschont. Wenn auch vom Jahre 1338 an jeder neu eingewanderte Jude die damals allerdings bedeutende Summe von 40 Fl. jährlich zu erlegen hatte, so findet man doch sonst keine Spur von Bedrückung oder gar Mißhandlung?) Als ruhige, reiche Handelsleute, die ordentlich die Abgaben znm Gemeinwesen beitrugen, wie es die alten Steuerbücher Marburgs ergeben, als Besitzer von Häusern, Mühlen und Weingärten befanden sich die Juden Steyermarks in einer sehr günstigen Situation, die sie auch mit ihren christlichen Mitbürgern in freundschaftlichem Verkehr leben ließ, so daß sogar in der Marburger Synagoge für die Christen, welche sie zuweilen besuchten, besondere Sitze oben an eingeräumt wurden (L. I. 20). Durch die im Jahre 1404 (so nach Puff's Angabe, dagegen nach Muchar's im Jahre 1410) erfolgte freundliche Aufnähme der von Hermann II. von Cilly aus seinem ganzen Gebiete verjagteu Juden vermehrte sich die Anzahl derselben in Marburg, und steigerte sich der Verkehr in Stadt und Umgegend. Daß die Macht der Juden damals nicht unbedeutend gewesen sein muß, geht schon daraus hervor, daß Erzbischof Eberhard III. bei Kaiser und Papst über den Herzog Ernst in Steyermark Klage führte, weil dieser ruhig zuließ, daß die Juden in Marbürg Kaufleute von Salzburg aufgreifen als Bürgen für die Schulden anderer Salzburger Unterthauen und dieselben bis Zur Zahlung in Haft in Graetz Geschichte VIII, S. 446. Nachzntragen wäre noch, daß ein Jsaae Zarphati als Zeitgenosse des Jochanan ben Rüben (Zunz Literaturgesch. S. 377) erscheint, was unsere Ansicht über die Zeit des Ersteren nur bestätigen kann. In der Unterschrift des Sendschreibens S. 24 ist die Abreviatur הנהו״ in הנחמד הרב aufzulösen, eine in Schriften gerade jener Zeit sehr häufig vorkommende Bezeichnung. ף Die betreffenden geschichtlichen Notizen verdanken wir dem großen Werke von Di׳. Muchar ״Geschichte des Herzogthums Steyermark" (Gratz 1844—1864) und dem von Professor Puff ״Marburg in Steyermark" (Gratz 1847). 2) Es werden auch erwähnt (Puff S. 60) der Judenverfolgung am Osterfeste 1338 in Reez, Horn und (Muchar VII, S. 282) in Wolfsberg, was zu Wiener's Verzeichnis; in der Monatsschr. Jahrg. 1863, S. 423 nachzutragen wäre. Und die Verfolgung wegen des schwarzen Todes? R. 12*