Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Synode
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 6)
- Language
- German
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176 Die Synode. im Judenthume zu heilen, als eine erste Lebensaufgabe betrachtet, darf nicht auf die entnationalisirten, gegen das Judenthum iudiffereut gewordenen Gemeindeglieder Rücksicht nehmen, sondern lediglich auf diejenigen, in deren Herzen es noch als ein heiliges Vermächtniß lebt. Die Mittel-Parteien müssen in Rechnung gezogen werden, und sie darf man nicht mit Reformen abstoßen, gegen die sie nun einmal—mit Recht oder Unrecht— eine unverwindbare Antipathie hegen. Wer in unserer Zeit reformiren will, muß es geräuschlos thun. Theilen Sie meine Bedenken, verehrter Freund? Was soll eine Synode zunächst zu Stande bringen? Beherzigenswerth sind die Worte des Comiis im Aufrufe: ״Eine Religion der Minderheit, eine Religion zerstreuter, kleiner Bruchtheile kann einer größeren Gefahr nicht ausgesetzt sein, als innerlich gespalten, zerfallen, schwankend und von heftigen Parteistreitigkeiten erschüttert zu werden. Leicht begreift man aber, daß man aus diesen Wirrsalen nur durch die Gemeinsamkeit, durch die Vereinigung herauszukommen vermöge." Also letztes Ziel der Synode soll eben sein: die Heilung der Zerrissenheit, die Wiederherstellung der Einheit, die Belebung des Gemeingefühls. Kann sie aber das erzielen, wenn sich die entgegengesetzten Parteien, sei es auch aus Vorurtheil davon fernhalten werden, durch unliebsame Antecedentien, durch Vorschläge zur Erschütterung der Ehe-Gesetze fernhalten müssen? Die, Synode wird — und ich kann mich davon nicht losmachen, — und wenn ihre Anreger noch so laut und ehrlich ihre Neutralität betonen, immer nur als eine Reform-Partei- Synode angesehen werden, und wird dadurch die Zerklüftung nicht bessern. Ich hätte meinen ehrenwerthen Freunden, die sich bei der Casseler Rabbinerversammlung betheiligt haben, mit den: Propheten zurufen mögen: ״Durch Nichtsthun und Ruhe könnt Ihr helfen." Ueberlaßt die Anregung zu einer Synode unpartheiischen oder annähmngsweise neutralen Personen, die nach beiden Seiten kein starkes Vorurtheil gegen sich haben. Ich möchte fast sagen: Der Ruf nach einer Synode darf gar nicht von Deutschland ausgehen; denn hier wie in Amerika ist die Parteiung am stärksten ausgeprägt. In allen größeren Städten Deutschlands bestehen faktisch zwei einander schroff gegenüberstehende Parteien. Die Synode kann doch nicht in der Luft schweben, oder sich eine umfriedete Oase aussuchen. Wenn sie in