Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Synode
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
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174 Die Synode. einmal argwöhnisch und achtet nicht auf Programme oder Versicherungeu, sondern sieht auf die Fahnenträger und Spitzen. Denken wir uns, die Ultra - konservativen erließen einen Aufruf zu einer Synode mit der Versicherung von Neutralität. Sie würden aber schon vorher Ausschüsse ernannt haben, welche Vorarbeiten für die Versammlung mitbringen sollten, z. B. daß Choralgesänge verpönt, daß selbst Predigten in der Landessprache von Uebel wären, daß das Anbringen von עירוב in allen Städten durchgesetzt werden müßte. Wurden sich die Antipoden an einer solchen Synode betheiligen? Vielleicht doch — um sie zu masoristren oder zu deroutiren. Wer die Mittelparteien würden jedenfalls wegbleiben, schon aus dem Bedenken, sich dadurch zu compromittiren. Ich fürchte daher, daß dieselben Mittelparteien sich auch von der Synode, der Tochter der Kasseler Rabbiner- Versammlung, fern halten würden; sie würde also, wenn sie zu Stande kommt, einen Parteicharakter tragen, und das kann für die Zukunft sehr gefährlich werden. Das Haus und dis Familie sind für uns fast noch empfindlichere Heiligthümer als die Synagoge. Wenn diese rauh berührt werden, 'wenn hier ein Riß entstehen sollte, dann würde, was Gott verhüten möge, eine Sektirerei enstehen. Eine Familie müßte sich gegen die andere abschließen. Die Zeit, in welcher die Judenchristen und Stammjuden in ein feindselig Verhältniß zu einander traten und sich sozusagen von Tisch und Bett trennten, würde sich wiederholen. Welche neue Gefahren würde eine solche klaffende Häresis über die Judeuheit, die eine Minorität unter den europäischen Völkerfamilien bildet, heraufbeschwören! Wer es ehrlich mit dem Judenthume meint, wer die Symptoiue beachtet, welche in der protestantischen wie in der katholischen Welt Vorkommen, müßte gewissen- Haft jede Gelegenheit zu einer sektirerischen Spaltung innerhalb der Judenheit, zu einer Trennung von Tisch und Bett vermeiden. Ich halte es ferner für einen Fehler, daß das Coinitä nächst ״Rabbinen und kundigen Gelehrten vor Allem Vertreter der Gemeinden selbst" ohne weiteres zur Synode eingeladen hat, ohne diese letzte Kateogorie zu beschränken. Gemeindevertreter werden höchst wahrscheinlich aus den bereits gewählten Vorständen deputirt werden. Und wie diese ״wenigstens in den großen Gemeinden" Deutschlands beschaffen sind, ist bekannt. Wozu sie charakterisiren? Sie haben