Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Synode
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829379-2864275--11971-2864322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Synode. 173 weisen hat. In sofern begrüßen gewiß Viele gleich mir den Aufruf zu gemeinsamer Berathung von Rabbinen und Laien als einen Fortschritt gegen die Exclnsivität der Rabbiner-Versammlung der letzten Jahrzehnte, welche das Heil von Rabbi neu allein erwartete. Soll aber eine Synode, wenn auch nicht das Heil, so doch die Heilung bringen, so muß sie von vorne herein einen öknmenisch en Charakter haben d. h. sie muß die Möglichkeit in Aussicht stellen, daß sich die gebildeten Juden aller Schattirungen dabei betheiligen können. Freilich gleicht dieses Postulat jenem Wunsche, einen Punkt außerhalb der Erde zu finden, von dem aus die Erde bewegt werden könnte. Denn wenn gleich. Dank den gesunden Säften des Judenthums, es keine Sekten in der Judenheit giebt, so giebt es doch Parteien in ihrer Mitte, eine Farbenabstufung vom rothen Ultra-Radicalismus bis zur schwarzen Hyper-Orthodoxie. Das kann nicht geleugnet werden. Das ist es eben — und damit komme ich auf den Ausgangspunkt zurück — was mich an dem Aufrufe zur Bildung einer Synode stört. Er ist vom Comitö der Casseler Rabbinerversammlung d. h. von Vertretern einer Partei oder Parteischattirung ausgegangen. Ich bin so glücklich unter den Mitgliedern jener Versammlung Freunde zu zählen, für die ich marine Sympathie und Hochachtung hege. Aber das kann mich nicht verblenden, die Unzuträglichkeit derselben zu übersehen. Eine Seite dieser Versammlung hat kein Hehl daraus gemacht, daß sie Propaganda nicht bloß für synagogale, sondern auch für rituelle und matrimoniale Reformen machen wollte. Und dies erscheint mir eben wenn nicht ein Vergehen — so doch ein Fehler gewesen zu sein. Sie muß es sich daher gefallen lassen, daß man sie als eine Reform-Rabbinerversammlung charakterisirt. Mehrere Mitglieder derselben sind von ihrem Parteistandpunkte aus auf die Benennung Reformer stolz und gehören zu den Hauptverfechtern der Reform. Kann aber die Synode, von dieser Versammlung angeregt, allgemeinen Anklang finden? Das Comitö, das den Aufruf zur Versammlung hat ergehen lassen, hat es zwar nicht an Versicherungen fehlen lassen, daß die Neutralität gewahrt, die Freiheit der Entschließung nicht durch parti pris beeinträchtigt werden sollen. Aber wir befinden uns in einem Parteikampfe, und in einem solchen ist man nun