Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 12)
- Language
- German
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und das Judenthum. 167 sidim kommen für Deutschland nicht in Betracht; was aber den ersten der oben angeführten Sätze betrifft, so gibt es ohne Zweifel noch immer einen gemeinsamen Boden, ein gemeinsames Prinzip. Wenn wir dabei auf das, freilich verschollene, Programm der Reformgenossenschaft: ״wir wollen Glaube, wir wollen positive Religion, wir wollen Judenthitm, wir wollen Erhaltung und Fortbildung des Judenthums und Belebung des religiösen Sinnes unter seinen Bekennern" zurückgreifen, so geschieht dies, weil wir Neueres in dieser Richtung nicht haben — mit den Schnurrpfeifereien s. g. Cogitanten, die auch bereits vergessen, werden wir doch nicht rechten sollen?! Nun, jenes ״Wirwollen", bietet unbestreitbar einen gemeinsamen Boden, es genügt hier ein ״Wir wollen", wir können es beim Worte nehmen und haben dann ein dem Reformer und dem Orthodoxen gemeinsames Prinzip; inquisitorisch nach der Gesinnung, nach der Aechtheit des Wollens zu fragen, fällt ja keinem vernünftigen Juden ein. Freilich sind seitdem auch in der Judenheit weitergehende Elemente ausgetreten, die weder Glauben, noch positive Religion, noch Judenthum wollen, es ist natürlich, daß auch der Materialismus unter Juden Anhänger hat; aber sie können keine Partei im Judenthum bilden. Solange der Staat Zugehörigkeit zu einer Gemeinde verlangt, werden sie ihre Steuern zahlen und sich passiv verhalten, andernfalls werden sie ausscheiden; sie können nichts nützen, aber auch nicht schaden, sie können letzteres im Privatverkehr mit Jndividiuen, aber nicht im Gemeindeleben. Sie können auf dasselbe keinen Einfluß gewinnen wollen, ohne mit sich selbst in vernichtenden Widerspruch zu treten. Die Erfahrung bestätigt dies. Das ist der durchgreisende Unterschied zwischen den Verhältnissen in Synagoge und Kirche, daß es bei uns keinerlei religiösen Zwang zu bekämpfen gibt. Wer, wenigstens bei uns in Preußen rc. sich nicht von einem Rabbiner trauen, sein Kind nicht beschneiden lassen will, und dergl., der hat seinen Willen; d i e F r e iheit enth ält überall ihr eigenes C orrectiv, jene Männer müssen dafür uns in Ruhe lassen; können sie nicht gegen Zwang und Vergewaltigung kämpfen, so sind sie ohnmächtig. Sie müßten denn gegen uns Zwang üben wollen, z. B. einem Rabbiner zumuthen, einenr nicht beschnittenen Knaben in der Synagoge Namen zu geben und dergl. Den Rabbiner, der