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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1869-01-01 · Heft 4 · p. Seite 159

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
18 (1869)
Issue
Heft 4
Article
Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
Date
1869-01-01
Page
Seite 159 (sequence 4)
Language
German
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und das Iudenthum. 189 christlich-dogmatischen berühren uns nicht) klar zu machen, und es wird sich daraus ergeben, daß das Iudenthum nicht nöthig hat, sich ins Schlepptau nehmen zu lassen, Fremdes sich anzueignen, daß es vielmehr sagen könnte: ״von mir sehet ab und thut ebenso." — ״Sagen könnte" — daß wir in fremden Streit uns mischen, Belehrung aufdrängen sollten, davor warnt uns freilich nicht nur die Klugheit, sondern das Wort des Propheten: ״mein Knecht wird nicht rufen, nicht schreien, nicht draußen seine Stimme vernehmen lassen." Aber für uns und die Unsrigen gilt es Klarheit zu gewinnen. Wir wissen wohl, daß für die alten Leser dieser Zeitschrift solches überflüssig erscheint, daß sie ihren Standpunkt sich klar gemacht haben, daß mancher von ihnen über die Eigenthümlichkeiten des Judenthums jahraus jahrein lehrt und predigt. Aber die Zeitschrift will neue, nicht ausschließlich dem Fachkreise angehörige Leser gewinnen, und einzelne der hier zu beleuchtenden Punkte sind in der That noch sehr wenig unter uns öffentlich besprochen, indem man dogmatischen Fragen mit etwas übertriebener Scheu aus dem Wege gegangen ist. Wir werden zuerst in dem Versuche einer Charakteristik der gegenwärtigen religiösen Bewegung, der antikirchlichen (bzw. antireligiösen) sowie der orthodoxen Richtung, unser Verhältniß zu diesen, sodann in einer Besprechung der wichtigsten Streitpunkte und Fragen, nämlich: über die Autorität der heil. Schrift, überden s. g. Supranaturalismus, insbesondere die Wunder über das Verhältniß der H. Schr. zu den fortgeschrittenen Wissenschaften, besonders den exakten und über die Organisation der Religionsgesellschaft unsere Stellung zu diesen erörtern. I. Charakteristik der gegenwärtigen religiösen Bewegung. Wir könnten uns unsere Aufgabe sehr leicht machen, wenn wir uns einer weit verbreiteten Ansicht anschlöffen, die sich in dem Satze ausspricht: wir leben in einer Uebergangsperiode. Besonders in religiöser Beziehung, meinen Viele, werde sich ganz Neues gestalten. Wie dies Neue beschaffen sein werde, darüber sind die Ansichten freilich so verschieden wie verschwommen. Währeich die Einen hoffen und daher glauben, daß alle bisherigen

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