Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die religiösen Bewegungen der Gegenwart und das Judenthum
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 3)
- Language
- German
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158 Die religiösen Bewegungen der Gegenmart meinden, die von der Reformation hätten berührt werden können, doch gab es deren sehr wenige, auch diese bezogen oft genug ihre Rabbiner aus Polens — es ist aber trotzdem bemerkbar, daß namentlich in Frankfurt a. M. ein einigermaßen freierer Geist in der Judenschast waltete. Es fehlte dort wohl nie an Einzelnen, namentlich jüdischen Aerzten, die an der allgemeinen Bildung einigen Antheil nahmen. Diejenigen Juden aber, welche in ihren Schriften Bekanntschaft mit der nicht-jüdischen Literatur zeigen, sind ausschließlich 8'karäim, auch ihre Namen sind bald aufgezählt: Manasse b. Jsr., Vieto, Mos. Chefez-. Männer wie Orobio oder gar Spinoza können hier nicht in Betracht kommen. Kehren wir nach dieser Digression zur Gegenwart zurück. Es bedarf keines Nachweises, nicht einmal einer Andeutung, daß die religiöse Bewegung heute einen äußerst energischen Einfluß auf das Judenthnm üben wird und muß. Jeder, der die drei letzten Jahrzehnte theilnehmend durchlebt hat oder kennt, weiß, wie neben Deutschkatholizismus, freien Gemeinden u. s. w. im Judenthum Reform-Vereine, Genossenschaften und anderes minder Pronunzirte einherging; dann hier wie dort ein Abnehmen, fast ein Absterben des Interesses an religiösen Fragen; daneben, zugleich mit der rückläufigen Führung innerhalb der Kirche, eine Rückkehr zum Positiven und ein Erstarken des conservativen Elementes im Judenthum, sowie das Auftauchen einer Richtung, die man nicht mit Unrecht, gleich gewissen Erscheinun-- gen im Christenthum, als ״Romantik" bezeichnet hat. Das Alles nicht nur in zufälligem Neben- und Nacheinander, sondern in augenscheinlichster Wechselwirkung. Wollen wir von der Strömung der in Fluß gekommenen Ideen und Thatsachen der religiösen Entwickelung nicht willenlos uns dahin reißen lassen, eine Strömungdie uns ebenso gut rückwärts wie vorwärts führen, und, was das Schlimmste wäre, sich spaltend nach zwei Seiten uns immer weiter auseinander reißen könnte — so gilt es Stellung zu nehmen! Es gilt die Stellung des Judenthums zu den obfchwebenden Fragen, soweit sie dasselbe mit berühren (und nur die spezifisch- R. ') Erst nach 1648.