Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Religionsdisputation des R. Jechiel von Paris 1240 am Hofe Ludwigs, des Heiligen, ihre Veranlassung und ihre Folgen
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
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Hofe Ludwigs, des Heiligen, ihre Veranlassung und ihre Folgen. 153 entnommen werden dürsten. Er persönlich halte zwar beide in gleicher Weise ftir wahr; denn auch in der Bibel seien ebenso wunderbare Erzählungen, wie in der Hagada, in großer Menge enthalten. Letzteres Argument zeigt wiederum, wie sehr R. Jechiel es verstand, sein Plaidoyer für das ihm gegebene Auditorium zu berechnen?) Die Nothwendigkeit des Talmud aber als Erklärung der Bibel erscheine am bündigsten durch den Hinweis auf einander widersprechende Bibelverse?) Wenn auch die Weisen nicht immer übereinstimmende Entscheidungen geben, so sei nichtsdestoweniger alles im Talmud Enthaltene Ueberlieferung vom Sinai her, da die Rechtsnormen nach dem Ausspruche der Mehrheit bestimmt würden. Ferner fasse der Talmud die in der Bibel an verschiedenen Stellen gegebenen Vorschriften über eine Materie zusammen?) und ermögliche so erst das Studium und Erfassen derselben. Sodann seien manche biblische Gebote ohne Erklärung unverständlich, und in den Büchern Mosis werde schon auf die Entscheidungen der Weisen späterer Zeiten hingewiesen,* *) ') Hierzu giebt Carmoly revue orientale III 454 ohne Quellenangabe einige Additamente, die, als nicht genügend belegt, von uns nicht in den Text ausgenommen werden durften. ״Die Rabbinen hätten zugestanden (ob bei der Voruntersuchung oder dem Dispute, wird nicht angegeben), daß alle von Dänin angeführten Stellen dem Talmud entnommen wären, daß dieser in den jüd. Schulen höher, als die Bibel geachtet werde, sodaß nie der Bibelkcnner ohne Talmudkunde Gesetzcslchrer werden dürfe, denn die geringste talmud. Vorschrift hebe das klarste bibl. Gebot auf, so dürfe am Neujahr kein Lebokar geblasen und Sukkoth kein Lulaw genommen werden, wenn diese Feste zufällig auf Sabbate fielen. *) (1) Jes. 25, 8 u. ib. 65, 21. (2) Exod. 20, 22 u. ib. 19, 20. (3) Deuteron. 5, 911. Num. 24, 16. (4) Deuteron. 23, 4 u. David's Abstammung von der Mvabiterin Ruth. Denselben Beweis ס״מ׳ג Einleitung, woselbst auch der Widerspruch ad 2 angeführt ist. נ) Beispiel: הנה מצות שבת כתובה כחמשה מקומות במקרא, כאן מעט וכאן מעט, וטרם שילמד אחר סן המקראות ישכח האחר. Fast wortgetreu hat dies Nizachon vetus ed. Wagenseil 259: ״שהתלמוד היא גרר וסייג לכל התורה, כי בל המצות מפוזרות הן בכיר ספרים פה מעט ופה מעט, ומי שילמד זה, «שכיהנו טרם שיגיע לשני וגי." 4) Deuteron. 4, 8, 11. 32, 7.